Münchner Wissenschaftler beheben Taliban-Schäden

Kabul - Es war ein Akt der Barbarei, als Taliban vor zehn Jahren die monumentalen Buddhas von Bamiyan in die Luft sprengten. Jetzt beheben Münchner Wissenschaftler die Schäden.

Mittlerweile sind die fanatischen Gotteskrieger aus diesem Bereich Afghanistans verjagt worden, in das Tal ist wieder Frieden eingekehrt. Und mit Hilfe aus München sollen jetzt die rund 1500 Jahre alten und bis zu 55 Meter hohen Statuen restauriert werden.

Das sind die Taliban

Das sind die Taliban

Professor Erwin Emmerling, Inhaber des Lehrstuhls für Restaurierung an der Technischen Universität (TU) München, reist regelmäßig ins Bamiyan-Tal, um das Weltkulturerbe wieder entstehen zu lassen. Schon 15 Mal hat er die gefährliche Reise auf sich genommen, um im Auftrag des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern die Trümmer zu untersuchen. Durch ihre Arbeit konnten die Überreste analysiert und zugeordnet werden, sodass ein Wiederaufbau der Statuen grundsätzlich möglich ist.

Prof. Emmerling schwärmt von den künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten der Schöpfer dieser gigantischen Figuren: „Die Buddhas hatten eine farbintensive Erscheinung.“ Die Figuren wurden in den Fels gehauen, die Oberflächen aus Lehm gestaltet und bemalt. „Das sind glatte, perfekte Oberflächen – eine Qualität, wie sie sonst nur gebrannte Materialien wie Porzellan haben.“ Zu Beginn war das Gelände vermint, jeder Fehltritt konnte tödlich sein. Wie gefährlich sind die Reisen heute? „Man muss vorsichtig sein“, sagt Prof. Erwin Emmerling zur tz. „Ich reise nur mit Afghanen und versuche, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten.“

Wie reagiert die örtliche Bevölkerung? „Die Leute freuen sich jedes Mal, wenn ich komme. Für sie ist das auch die einzige Chance, etwas Geld zu verdienen.“ Wie wichtig sind die Statuen für die Menschen dort? „Sie sind begeistert von diesen Figuren. Für sie sind es wichtige Kulturdenkmäler.“ Und welche Chancen bestehen für die Restaurierung? „Für die kleineren Statuen gut. Für die großen ist es zurzeit unmöglich. Wir bräuchten einen Hundert-Tonnen-Kran. Dazu fehlen aber die Straßen.“

E. Unfried

Rubriklistenbild: © ap

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