"Traute mich nicht mehr aus dem Haus“

Münchnerin (39) Tag und Nacht von Stalker verfolgt

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Ksenija M. sucht jetzt eine neue Wohnung.

München - "Ich habe Angst, dass er vor meiner Tür steht. Ich weiß nicht, zu was er noch fähig ist“, sagt Krankenschwester-Helferin Ksenija M. (39) vor Gericht. Angeklagt ist Peter F. (50) – ein Stalker.

Der Mitarbeiter eines bekannten Hilfsdienstes lernte die schöne Münchnerin an einem Info-Stand kennen. Damals hatte er ihr eine Spende abgequatscht – und ließ sie seither nicht mehr los. Er schrieb ihr zuletzt massenweise Briefe, E-Mails, und SMS. Peter F. war so vernarrt, dass er sie täglich bis zu 20 Mal anrief. „Ich traute mich kaum noch aus dem Haus. Vor allem in der Nacht habe ich große Angst.“

Der verurteilte Peter F. rauchte erst mal eine Zigarette

„Ich habe sie eingeladen“, erinnerte sich der Stalker am Montag an die erste Begegnung im vergangenen Jahr. „Da habe ich festgestellt, dass sie in einer Schamanen-Sekte ist. Sie hat sich um 180 Grad gedreht.“ Er habe mit seinen Anrufen nur versucht, sie aus den Fängen der angeblichen Sekte zu befreien. „Ich weiß, dass sie psychisch unter Druck steht“, versuchte er zu relativieren. Doch Richter Matthias Braumandl hatte schnell genug von seinen wirren Ausreden: „Ist es möglich, dass Sie dafür die Ursache sind?“ Auch das aus Kroatien stammende Opfer wies den Vorwurf entschieden zurück: „Herr Richter, ich bin katholisch. Ich will doch nur, dass er mich endlich in Ruhe lässt.“

Das tat Peter F. bisher aber nicht. Tag und Nacht bombardierte er sie mit Anrufen. Verzweifelt ging sie zur Polizei, erstattete Anzeige. Ihm wurde jeder Kontakt verboten. Doch selbst kurz vor dem Prozess schrieb er ihr noch zahlreiche Mitteilungen.

Ksenija M. legt als Beweis ihr Handy auf den Richtertisch. „Dein Guru hat dir eine Hirnwäsche verpasst“, liest der Richter vor. Und: „Ich sage nicht über dein Sex-Verhalten aus.“

Der Angeklagte gibt schließlich alles zu, ist aber überzeugt: „Ich will ihr nur helfen.“ Darauhin macht der Richter kurzen Prozess: „Jetzt reichts!“ Obwohl der Staatsanwalt eine Geldstrafe für genug hält, schickt er den Angeklagten für ein halbes Jahr in den Knast!

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, daher ist Peter F. noch auf freiem Fuß. Er stapft wütend aus dem Gerichtsgebäude. Deshalb hat Ksenija M. noch immer große Angst vor ihm: „Er weiß, wo ich wohne. Ich brauche dringend eine neue Wohnung“, sagt sie zur tz –in der Hoffnung, dass ein Leser ihr helfen kann (E-Mail an lokales@tz.de). „700 Euro warm darf die Wohnung kosten.“

Eberhard Unfried

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