Nochmal gut gegangen

Münchnerin (79): Ich lag vier Tage hilflos in der Badewanne

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Alles nochmal gut gegangen: Rosemarie S. darf bald wieder nach Hause.

München - Rosemarie S. erlebte den Horror in den eigenen vier Wänden. Hilflos lag sie in ihrer Wohnung, bis die Polizei die Tür aufbricht. Dank einer aufmerksamen Nachbarin.

Sie sitzt im Bett, lacht und freut sich, dass sie bald wieder heim darf in ihre Wohnung in Laim. Nur mit dem Baden – da wird sie in Zukunft sehr vorsichtig sein. Denn Rosmarie S. (79) hatte ein wahrlich furchterregendes Erlebnis: Vier geschlagene Tage lang war sie die Gefangene ihrer eigenen Badewanne. Wie gut, dass sie eine aufmerksame Nachbarin hat. „Sonst säß’ ich da vielleicht immer noch drin. Da will ich ja gar nicht dran denken“, sagte sie gestern.

Die rüstige Seniorin lebt seit 30 Jahren allein in ihrer Dachgeschosswohnung in der Von-der- Pfordten-Straße und ist es gewohnt, für sich selbst zu sorgen: „Ich habe nie Langeweile, und im Fernsehen kommen immer so schöne Sachen.“ Wahrscheinlich am Freitag – sie hat ein wenig das Zeitgefühl verloren – ließ sie sich einen warme Badewanne ein. „Ich habe so eine Art Hebekissen, das mir hilft, leicht in die Wanne hinein und wieder herauskommen.“ Doch diesmal ging etwas schief: „Hinein klappte es noch gut. Doch als ich wieder hochfahren wollte, versagte das Ding seinen Dienst. Da war wohl kein Strom mehr drauf. Und dann saß ich da und wusste nicht mehr weiter.“ Schreien war sinnlos: „Ich wohne ganz oben und habe keine Nachbarn nebenan. Da hört einen keiner.“

Immer, wenn das Wasser kalt wurde, ließ sie es warm nachlaufen. Wieder und wieder und wieder. Die Haut weichte auf. Dann meldete sich der Hunger. Wenigstens gab es Wasser im Überfluss. Manchmal fiel sie kurze Zeit in den Schlaf. Und so lag die 79-Jährige da in ihrer misslichen Lage und hoffte, dass die Nachbarn etwas merken würden. Und genauso kam es.

Am Montag gegen 12 rief eine Nachbarin bei der Polizei an und meldete, dass sie sich Sorgen mache. Auf Klingeln habe Rosmarie S. nicht reagiert. Ihr Briefkasten sei voll und die Zeitungen habe sie schon seit Freitag nicht mehr geholt. All das sind Alarmsignale, auf die die Polizei und die Feuerwehr sofort reagieren. Um 12.20 Uhr wurde die Wohnungstür aufgebrochen: „Ich war so froh, als plötzlich die Polizisten und Feuerwehrleute ins Bad kamen.“ In einer Pasinger Klinik wird Rosmarie S. jetzt liebevoll wieder aufgepäppelt und ihre strapazierte Haut gepflegt.

Die 79-Jährige will sich nun einen Hausnotruf installieren lassen: „Solange nichts passiert, denkt man nicht so daran. Das jetzt war mir eine Lehre.“ Schon am Dienstag ging es ihr wieder gut: „Ich will“, lachte sie, „so schnell wie möglich wieder heim!“

tz

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