"Absolut nachvollziehbares und offenes Statement"

User schreiben Münchner Bahn-Kritikerin: Danke, Anke!

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In ihrer Kritik an die Bahn schreibt die Münchnerin Anke über ein Erlebnis bei der Fahrkarten-Kontrolle in der S-Bahn.

München - Anke aus München kritisiert die Bahn auf Facebook - und trifft damit einen Nerv. Ihr Beitrag hat mehr als 50.000 Likes. Die User schreiben "Danke, Anke!" und erweitern den Post um ihre Meinung.  

Ankes 337 Wörter lange Nachricht an die Bahn hat mehr als 50.000 Likes erreicht (wir berichteten). Das liegt entschieden daran, dass Anke unaufgeregt schreibt, an keiner Stelle unverschämt, beleidigend wird. Sie liefert Argumente für ihre Kritik an der Bahn, statt wie viele andere Kunden einfach loszupoltern.

Es seien nicht die Strapazen (Verspätung und ausgefallene Klimaanlage bei 40 Grad Außentemperatur) und Unfreundlichkeiten des Personals, über die sich Anke auf einer ICE-Fahrt am Sonntag aufgeregt hat - dafür habe sie "IMMERZU VERSTÄNDNIS". Nein, der eigentliche Aufreger passierte ihren Schilderungen nach in der S-Bahn, in der sie wegen einer verpassten Anschlussverbindung saß. Anke wollte einer Frau, die bei der Fahrscheinkontrolle kein Ticket vorzeigen konnte, ihr übertragbares MVV-Abo anbieten. Doch die Kontrolleure reagierten gnadenlos und belehrten Anke. "2 Fahrgäste und 2 gültige Tickets…und nur weil Ihr Kollege bereits sein Erfassungsgerät in der Hand hatte, war es nicht mehr möglich, die Bußgelderhebung zu stoppen. Dafür habe ich KEIN Verständnis." Die Bahn antwortete der Münchnerin auf Facebook – und ebenso hunderte Bahn-Kunden.

Adrian lobt Anke: "Ihre Einstellung und Ihr Handeln ehrt Sie, das ist nicht nur vorbildlich für unsere Gesellschaft, in der soziales Verhalten weniger gewürdigt wird als Ellenbogenmentalität, sondern auch inspirierend. Wenn mehr Menschen so denken und handeln würden wie Sie, wäre dies ein deutlich friedlicheres, gemeinschaftlicheres und sozialeres Land."

Userin ist "absolut entrüstet über die Verfahrensweise und Argumentation der DB"

Daggi schreibt Anke "danke für dein absolut nachvollziehbares und offenes Statement". Sie sei "absolut entrüstet über die Verfahrensweise und Argumentation der DB". Gerade weil der Sonntag ein so anstrengender Tag für Kunden und Bahnpersonal war, "sollte man doch gerade deswegen auf derartige Sanktionen verzichten (zumal ja der Tatbestand des Schwarzfahrens der armen Frau durch die hilfsbereite Anke in gewisser Weise geheilt wurde). Es kostet Sie mehr Aufwand und Energie, dieses Bußgeldverfahren durchzusetzen, wahrscheinlich läuft dies früher oder später auf Niederschlagung oder Erlass heraus, da bei der armen Frau 'nichts zu holen ist'. Schon allein im Hinblick auf diesen voraussichtlich erfolglosen Aufwand sollte einem doch das 'Auge zudrücken' nicht weh tun." Für diesen Kommentar bekam Daggi 127 Likes (Stand Mittwoch, 15.20 Uhr). 

Frau dankt Anke für ehrliche Worte und bekommt diese Antwort der Bahn

Auf diesen Kommentar reagierte ein Social-Media-Manager der Deutschen Bahn: "da steht man auf Messers Schneide. Einerseits belastet es alle, wenn Fahrpreise erhöht werden müssen und andererseits entstehen durch Schwarzfahrer Jahr für Jahr ein Schaden von viele Millionen Euro. Natürlich sind die Mitarbeiter der DB keine Unmenschen, jedoch muss ja generell gegen Schwarzfahren vorgegangen werden. Es ist schwierig da zu unterscheiden, bei wem man ein Auge zudrücken sollte und bei wem nicht."

Andere User bewerten diesen Kommentar als "armseligen Erklärungsversuch". Eine Frau antwortet entrüstet: "Liebe Bahn, ihr verdient allerdings Millionen durch uns!" Marco kommentiert: "Wie kann Schwarzfahren denn 'Schaden' verursachen? Ich würde es eher fehlenden Umsatz nennen - und das bei wie zuvor bereits erwähnten neuen Rekordumsätzen." Vitus gibt ihm Recht: "Ja genau, durch eine Frau, die sich eh kein Ticket leisten kann, entsteht der Bahn ein Schaden. LOL."

Verängstigter Mann, der kein Deutsch sprach, im Kaff ausgesetzt

Manche User berichten von ähnlichen Erlebnissen bei der Ticketkontrolle. Ger Al Dine schreibt: "Hier hatte ein Mann, der offensichtlich kein Deutsch sprach und wohl von einer Behörde in eine falsche Bahn gesetzt wurde, das falsche Ticket. Wir hatten damals angeboten, ihn auf unserem Baden-Württemberg-Ticket, wo noch Plätze frei waren, mitfahren zu lassen. Dies ließ der nette Kontrolleur nicht zu. Nachdem der Mann sich auch nicht ausweisen konnte (hatte nur eine Bescheinigung dabei) und kein Geld dabei hatte, ließ man den augenscheinlich verängstigten Mann in einem kleinen Kaff aus dem Zug aussteigen. Hier überließ man ihn ohne jegliche Deutschkenntnisse seinem Schicksal. Ich würde sagen: ein Hoch auf Menschlichkeit und Kundenfreundlichkeit!!!"

Andreas schreibt, dass er Situationen, wie sie Anke und Ger Al Dine beschreiben, bei der französischen Bahn noch nie erlebt habe: "Sobald man in Frankfurt in den TGV einsteigt, hören die Probleme auf." 

Mehrere Bahn-Kunden kündigen nach Ankes viel beachteten Facebook-Post an, ihre Bahncard zu kündigen und auf Fernbusse umzusteigen.

sah

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