USA-Reise droht zu platzen

Münchnerin klagt: Trump will mich aussperren

Die gebürtige Iranerin Shahrzad Osterer will in die USA reisen, könnte aber wegen US-Präsident Trumps Dekret ausgesperrt bleiben. Die Proteste gegen Trump gingen am Wochenende weiter.

Donald Trumps Einreiseverbot in die USA, es schlägt auch hierzulande hohe Wellen. Shahrzad Osterer ist Münchnerin mit iranischen Wurzeln. Sie plant eine Reise in die USA, und fühlt sich machtlos. Wir haben mit der 32-Jährigen gesprochen.

München - Nächste Klatsche für US-Präsident Donald Trump im juristischen Tauziehen um sein umstrittenes Einreisedekret: Ein Berufungsgericht lehnte am Sonntag einen Eil-Antrag der US-Regierung ab, das Einreiseverbot wieder zuzulassen. Die Spruchkammer in San Francisco habe erst zusätzliche Akten angefordert und wolle nach frühestens einer Woche in der Hauptsache urteilen, hieß es. Das Urteil des Richters James Robart aus dem Bundesstaat Washington, der das Trump-Dekret ausgesetzt hatte, bleibt damit zunächst rechtskräftig. Trump selbst hatte am Samstag Robart auf Twitter direkt angegriffen. „Die Meinung dieses sogenannten Richters, die praktisch unserem Land die Durchsetzung von Gesetzen wegnimmt, ist lächerlich und wird überstimmt werden!“ Rechtsexperten nannten diese Kritik an einem Bundesrichter einen äußerst ungewöhnlichen Vorgang. Die tz sprach mit der Münchnerin Shahrzad Osterer, die von Trumps Einreisedekret direkt betroffen ist.

Trump will mich aussperren!

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft – um das zu erleben, muss Shahrzad Osterer nicht erst den Fernseher einschalten. Die 32-jährige Münchnerin erfährt gerade am eigenen Leib, was es heißt, Opfer von US-Präsident Trumps Einreisedekret zu sein. Die gebürtige Iranerin lebt seit 2004 in Deutschland, ist verheiratet, hat eine kleine Tochter. Aber keinen deutschen Pass. Den möchte sie zwar schon lange, doch wird es wohl erst kommendes Jahr werden, bis Osterer, die als Journalistin für den Bayerischen Rundfunk arbeitet, ihn beantragen kann. Dabei bräuchte sie die Doppelstaatlichkeit schon jetzt. Denn Iran ist neben Syrien, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen eines der Länder, die nach dem Willen von Trump unter Verweis auf Terrorgefahr einem 90-tägigen Einreisestopp in die USA unterliegen sollen. Dabei will Osterer im Mai zur Hochzeit ihrer Cousine in die USA, die Flugtickets sind längst gebucht. Vor der US-Wahl hatte sie noch Witze gemacht, dass Trump bald keine Muslime mehr ins Land lassen werde. Jetzt ist sie schockiert und wütend, dass er seine Ankündigungen tatsächlich wahrmachen konnte. „Das Dekret ist nicht nur diskriminierend, es ist rassistisch, wenn eine Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Religion kategorisch ausgeschlossen wird“, sagt sie im tz-Gespräch.

Shahrzad Osterer hat ihre Cousine seit 13 Jahren nicht mehr gesehen; ihre Verwandtschaft, die zwischen den USA, Europa und Australien verstreut ist, wollte sie zu diesem Anlass treffen. Doch wer nun zur Hochzeit anreisen kann, steht in den Sternen.

Innenminister De Maizière findet deutliche Worte für Trumps Einreisepolitik

Shahrzad Osterer will sich dem weltweiten Protest gegen die US-Einreisebeschränkungen anschließen. Denn die Sorgen um ihre Reise sind schon verdrängt von den Gedanken an andere Menschen. Zum Beispiel Bekannte, die im Urlaub gewesen sind und nun nicht mehr in die USA zu Freunden, Familie oder in den Job zurückkehren können. „Ich muss einen persönlichen Beitrag dazu leisten, gegen dieses verrückte Dekret zu protestieren. Man darf sich von Trump nicht einschüchtern lassen.“ Sie fühlt sich von den bisherigen Demonstrationen ermutigt. Und sie erkennt in dem gerichtlich angeordneten Vollzugsstopp des Dekrets einen Erfolg des Rechtsstaates, den sie durch Trump in den USA nicht per se gefährdet sieht. „Die USA sind eine stabile Demokratie, das System ist stark genug.“ Das Aufkommen von rechten Kräften macht ihr gleichwohl Sorgen – „und solche Kräfte kommen auch in Europa immer mehr auf.“

Ihre Reise will sie trotzdem antreten. Sofern es sicher ist, dass es keine Schwierigkeiten bei der Einreise geben wird. Denn stundenlanges Warten an der US-Grenze wolle sie ihrer kleinen Tochter keinesfalls zumuten. Und alleine zu fahren kommt nicht in Betracht. „Ohne sie würde ich es auch zwei Wochen gar nicht aushalten.“ 

M. Brommer/Video: snacktv

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