Münchnerin in Namibia ermordet - bis heute kein Urteil

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Helmut G. betet am Gedenkkreuz für seine tote Frau Renate (kleines Bild oben). Sie wurde am 2. September 2002 bei einer Reise durch Namibia von einer Räuberbande erschossen.

München/Windhuk - Der Münchner Kriminalbeamte Helmut G. verlor im Namibia-Urlaub 2002 seine Ehefrau - sie wurde erschossen. Bis heute wurden die Mörder nicht verurteilt. RTL 2 zeigt eine Doku über den tragischen Verlust.

Als die Eltern ihre Tochter kurz vor der Abreise in den Namibia-Urlaub am Bahnhof noch einmal ganz fest drückten – da hatte die damals 13-jährige Carola so eine Art kindliche Vorahnung: „Was, wenn das das letzte Mal  gewesen wäre?“, dachte das Mädchen. Und verwarf die finsteren Gedanken ganz schnell.

Nur wenige Tage später wurde Carolas böse Vorahnung bittere Realität. Auf der Autofahrt durch den Busch nach Swakopmund gerieten der Münchner Kriminalbeamte Helmut G. und seine Frau Renate (48) am 2. September 2002 in den Hinterhalt einer Mörderbande. Helmut G. überlebte schwer verletzt. Seine Ehefrau starb.

Neun Jahre nach dem unfassbaren Verbrechen wagte Helmut G. (66) zusammen mit seiner heute 22-jährigen Tochter noch einmal die Reise in die Vergangenheit – begleitet von einem Kamerateam des Senders RTL II. Am Montagabend wird die erschütternde Dokumentation dieses ungesühnten Verbrechens  gezeigt.

Im Gegensatz zu ihrem reise­lustigen Mann, der in früheren Jahren als Münchner Sonderfahnder durchaus mal das Risiko suchte und bei einem Rauschgifteinsatz auch schon mal angeschossen wurde, war Renate G. überhaupt kein Abenteuertyp. Aber sie wollte ihrem Mann den Traum von Afrika erfüllen. Am zehnten Tag ihrer Etappenreise vom Landesinneren (Ameib Ranch) ans Meer nach Swakopmund lauern den beiden mitten im Busch vier Räuber auf.

Einer – der Mörder George Natangwe – hat eine Waffe. Helmut G. sieht nur eine Chance: Flucht! „Ich dachte, in der Staubwolke hinter dem Auto kann der doch nichts treffen.“ Einen Kilometer weit rast G. mit Vollgas davon, wähnt sich in Sicherheit.  Da sagt seine Frau plötzlich ganz ruhig: „Ich sterbe.“ Und sackt kurz darauf  leblos zusammen. Ein Projektil – so wird  es später rekonstruiert – hat das Heck des roten Jeeps, die Rückenlehne des Beifahrersitzes und Renate G.’s Körper auf Höhe des Beckens durchschlagen. Es zerfetzte ihre Hauptschlagader.

Fernab ärztlicher Hilfe hatte sie keine Überlebenschance. Auch Helmut G. ist schwer verletzt. Ein Projektil hat sein rechtes Bein getroffen. Er verliert sehr viel Blut. Er bindet sich das Bein mit dem Gürtel ab. Dann wird ihm schwarz vor Augen.

Drei vorbeifahrende Deutsche retten ihm das Leben. Sie erweisen sich in der Not als wahre Freunde, genauso wie ein Arzt, ein Farmer, ein Reporter, die Kollegen und Nachbarn daheim.

Zu allen hat Helmut G. noch Kontakt. Vier Täter werden tatsächlich gefasst. Im November 2003 kommt es bei der Vorverhandlung im Magistratsgericht von Karibib zu gespenstischen Szenen. Empört sehen Vater und Tochter, wie Renates Mörder locker feixend herumstehen – ohne Handschellen, von nur einem Polizisten bewacht: „Du hast meine Frau erschossen!“, donnert G. einen der Männer an. „Was wollen die von mir?“, fragt der Täter frech. Haupttäter Natangwe ist bereits im März 2003 die Flucht gelungen. Er verschwand in den Weiten des Landes. Nach namibischem Recht konnte damit auch seinen Komplizen nicht mehr der Prozess gemacht werden.

Am Ende seiner vorerst letzten Namibia-­Reise muss Helmut G. ernüchtert feststellen: Seine Fragen bleiben unbeantwortet.

Polizei und Justiz in Namibia haben an ihm jedes Interesse verloren. Dabei will er gar keine Rache: „Ich will nur Gerechtigkeit.“ Erst dann  könnte er vielleicht abschließen. Und endlich innere Ruhe finden.

Bis dahin wird er immer wieder zurückkehren nach Namibia. Zu den Freunden. Und zu dem schlichten Kreuz im Busch – Mahnmal für einen feigen Mord, der nicht in Vergessenheit geraten soll.

Dorita Plange

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