Verbrechen in bester Wohngegend

In ihrer eigenen Wohnung: Münchnerin wurde sieben Jahre lang eingesperrt und missbraucht

Ein Wachtmeister hält den wütenden Angeklagten zurück
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Dimitrios V. (63) vor dem Münchner Landgericht

In Schwabing soll ein Pförtner (63) seine Lebensgefährtin in deren Wohnung über sieben Jahre eingesperrt und vergewaltigt haben. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht.

  • In Schwabing wurde ein schreckliches Verbrechen aufgedeckt
  • Eine 77-Jährige wurde mehr als sieben Jahre lang in ihrer Wohnung eingesperrt und missbraucht
  • Ihr Lebensgefährte (63) muss sich jetzt vor Gericht verantworten

München - Die Clemensstraße, mitten in Schwabing*: beste Münchner Wohngegend. Doch hinter verschlossenen Türen lauern auch hier grausige Verbrechen. Mehr als sieben Jahre lang soll Dimitrios V. (63) seine Lebensgefährtin Barbara K. (77) eingesperrt und vergewaltigt haben. Es ist ein Fall, der so gruselig ist, dass man ihn kaum glauben mag. Im Strafprozess vor dem Landgericht kamen schreckliche Details ans Licht.

München: Täter nahm seiner Lebensgefährtin alle Schlüssel weg

Das Mehrfamilienhaus in der Clemensstraße: Hier wurde eine Frau jahrelang eingesperrt

Unter anderem wegen Freiheitsberaubung muss sich der gebürtige Grieche verantworten, der alles bestreitet. Im Frühjahr 2012 war der Pförtner bei Barbara K. eingezogen, als sie Witwe geworden war. „Ich bin deine Pflegeversicherung“, soll V. versprochen haben. Laut Anklage nahm er ihr alle Schlüssel weg. Ihre Wohnung in München durfte die Rentnerin nicht mehr ohne ihn verlassen.

Tatmotiv Eifersucht: 63-Jähriger soll seine Freundin eingesperrt und vergewaltigt haben

Das Motiv des Mannes: Eifersucht! 500 Mal soll er sie gezwungen haben „Ich schaue keine anderen Männer an“ in ein Heft zu schreiben. Im Herbst 2012 kündigte Dimitrios V. den Festnetzanschluss. Fortan durfte Barbara K. nur noch mit seinem Handy telefonieren - wenn er es erlaubte. 2014 klebte er die Fenster in der Clemensstraße mit Folie ab, so dass die Frau nicht mehr rausschauen konnte. Laut Staatsanwaltschaft zog sich die 77-Jährige immer mehr zurück.

Doch es kam noch schlimmer: Im Italien-Urlaub soll V. sie an den Fußgelenken ans Bett gekettet haben, damit sie nicht flieht. 2016 brachte er vier Kameras in der Wohnung an, um Barbara K. zu überwachen. An den Wänden installierte er Bewegungsmelder - in die Küche durfte die Rentnerin gar nicht mehr. „Ich hatte Angst, dass sie mich vergiftet“, soll V. gesagt haben. Laut Staatsanwaltschaft ist er paranoid und nur eingeschränkt schuldfähig. Das gilt aber nicht für die mutmaßlichen Vergewaltigungen: Eine Stunde pro Tag sollte Barbara K. ihm „zur Verfügung“ stehen, damit er sie bestrafen kann, heißt es in der Anklage, die 30 sexuelle Übergriffe auflistet.

München-Schwabing: Täter tauschte alle Schlösser aus - sie war komplett in seinen Fängen

2017 tauschte V. die Schlösser aus. Zu ihrer Wohnung hatte Barbara K. keinen Schlüssel mehr - und war komplett in seinen Fängen. Befreit wurde sie erst 2019. Die Hausverwaltung hatte die Polizei* informiert, weil die Frau nur noch per Post geantwortet hatte, aber nicht mehr gesehen wurde - und die Tür nicht öffnete, wenn es klingelte. Sie sagt am 4. November aus, das Urteil fällt Mitte Dezember. Insgesamt sind elf Verhandlungstage vor Gericht angesetzt. (thi)*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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