Münchnerin verliert 20.000 Euro

So legten mich die Betrüger rein

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Betrugs­opfer Sabine R.: Ihre ganzen Ersparnisse sind weg.

München - „Ich bin sprachlos über mich selbst“, sagt Sabine R. (Name geändert). Nie hätte sie geglaubt, dass sie Opfer einer Trickbetrüger-Bande werden könnte. Jetzt ist die 69-Jährige um ihre ganzen Ersparnisse ärmer, um 20.000 Euro.

Im November 2011 kam der erste Anruf. Sabine R. hätte einen BMW gewonnen – oder den Geld-Gegenwert. R. ist stutzig, kann sich nicht erinnern, an einer Verlosung mitgemacht zu haben. Andererseits: Sie könnte das Geld gut gebrauchen, vielleicht hat sie ja doch…? Das ist der Beginn eines Psycho-Terrors, der bis heute anhält.

Immer wieder rufen verschiedene Betrüger an, die ihr weismachen, dass der Gewinn „aus steuerrechtlichen Gründen“ in der Türkei sei und R. Zollgebühren zu bezahlen habe, um an Bares zu kommen. Mal ruft eine Kanzlei aus Berlin an, mal aus Stuttgart. Über Tage hinweg, „sie stürzen auf mich ein“, sagt sie dem Münchner Merkur. „Die haben sich so gewählt ausgedrückt.“

Am 22. November überweist die Dame 900 Euro in die Türkei – acht weitere Zahlungen werden folgen, inklusive angeblicher Steuern und Überweisungsgebühren. „Ich hätte das Geld ebensogut zum Fenster rausschmeißen können.“ Über Western Union (WU) schickt sie immer höhere Beträge, jedes Mal bekommt sie einen anderen türkischen Namen, den sie beim Transfer angeben soll. Mathias Schragl, Oberkommissar vom Betrugsdezernat München, sagt: „Das ist das normale Vorgehen. WU ist anonym und viel schneller als eine normale Überweisung.“ Lediglich der Name des Zahlungsempfängers muss angegeben werden. Der kann mit seinem Personalausweis und der Überweisungsnummer von überall auf der Welt auf das Geld zugreifen.

Sabine R. will sich rückversichern, lässt sich die Handynummern aller Empfänger geben. In ihrem Ordner zum Fall hat sie Seiten voll mit Namen und Nummern gesammelt. „Jeder hat mir bestätigt, dass er für den Geldtransfer zuständig ist. Wer glaubt schon, dass so viele Leute unabhängig voneinander lügen?“

Kurz nach dem vermeintlichen ersten Gewinn erhält sie eine neue Nachricht: Sie habe noch ein Auto gewonnen, der Gewinn soll insgesamt 120 000 Euro betragen. „Ich habe gesagt, das geht doch nicht“, sagt R. – dennoch überweist sie weiterhin. „Das ist wie Gehirnwäsche. Man macht immer weiter. Dabei weiß man, dass da was faul ist. Die haben dauern angerufen. Ich konnte an nichts anderes mehr denken.“ Die Warnungen ihrer Postbank wehrt sie ab: „Ich wollt’s nicht glauben.“

Mitte Januar 2012 beichtet die Rentnerin alles ihrer Familie. „Ich war erleichtert, dass es vorbei ist.“ Doch ihr Geld ist wohl weg. Schragl: „Das sind mittlerweile fast mafiöse Strukturen in den türkischen Callcentern.“ Das Opfer ist seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung. Noch immer wird sie von Betrügern angerufen, gerade erst in der vergangenen Woche wieder. Aber die Nummer will sie nicht wechseln. „Das käme mir wie Wegrennen vor.“

Laura Worsch

So entlarven Sie Trickbetrüger – die Methoden

„Trickbetrüger werden immer kreativer“, sagt Kommissar Mathias Schragl vom Betrugsdezernat. Die beliebtesten Methoden: Bei der „Nigeria Connection“ erhalten Opfer die Nachricht, dass ­Angehörige amerikanischer Streitkräfte in Afrika Gold gefunden haben. Um den Fund außer Landes zu schaffen, bräuchten sie Geld. Beim „Romance Scamming“ wird über einen langen Zeitraum ein Vertrauensverhältnis aufgebaut – bis der Täter dann zum Beispiel (angeblich) verunglückt und Geld braucht. ­Eine weitere Methode ist der ­Erbtrick, bei der sich der Täter als Anwalt ausgibt und ein Erbe „unter der Hand“ vergeben will.

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