Ein Ort der Hoffnung

Münchnerinnen bauen Waisenhaus für syrische Kinder

+
Hilfe und Hoffnung: Die Münchner Studentinnen Sherin und Yasmin Dahi in einem Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze.

München - Zwei Münchnerinnen sammelten Sachspenden und fuhren ins syrisch-türkische Grenzgebiet, um den Flüchtlingen zu helfen. Der tz erzählen sie von ihrem neuesten Projekt.

Die Münchnerinnen Sherin (23) und Yasmin Dahi (19) lebten bis zum Ausbruch des Syrien-Krieges ein ganz normales Studentenleben zwischen Hörsaal und Freunden, mit denen man mal einen Cappuccino schlürft. Doch als die erschreckenden Bilder des Syrien-Kriegs im Fernsehen liefen und im Kriegsgebiet lebende Verwandte erschütternde Erlebnisse am Telefon berichteten, konnten die beiden Studentinnen nicht länger nur zusehen: Sie sammelten Sachspenden und fuhren ins syrisch-türkische Grenzgebiet, um den Flüchtlingen zu helfen. Die Sendung Galileo auf ProSieben berichtet am Ostersonntag um 19.05 Uhr über die beiden engagierten Schwestern. Gegenüber der tz erzählen sie von ihrem neuesten Projekt: einem Waisenhaus für die traumatisierten Kinder.

Was ist das Bewegendste bei Ihren regelmäßigen Besuchen in den Flüchtlingslagern an der türkisch-syrischen Grenze?

Yasmin Dahi: Das Schlimmste sind die hilflosen Kinder, die völlig allein gelassen ohne Eltern im Niemandsland ankommen. Die haben nichts mehr, niemanden mehr, verspüren keine Liebe mehr. Kleine Buben, die sich im Alter von acht, neun Jahren den Tod wünschen – das zerbricht einem das Herz. Das ist doch die Zeit, in der Jungs normalerweise glücklich spielen und toben. Ein Bild auf unserer Facebook-Seite, das ich bis heute nicht anschauen kann, zeigt einen kleinen Buben mit einer Kugel und einer Zigarette in der Hand. Das ist ein Junge, der seinen Vater im Krieg verloren hat, der so ein Hassgefühl in sich trägt, weil man ihm sein normales Leben gestohlen hat. Dieser Hass wird nicht aufhören, wenn der Krieg aufhört: Seinen Vater bekommt dieses Kind ja nicht zurück. Deshalb ist es so wichtig, solch einem Kind Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn wir nicht helfen, könnten diese hasserfüllten, verzweifelten Kinder die Terroristen der Zukunft werden.

Was wird für die Kinder in den Flüchtlingslagern getan?

Yasmin: Es gibt ein Zelt, das provisorisch aufgebaut wurde, in dem die Kinder von anderen Flüchtlingen so eine Art Unterricht bekommen. In dem kleinen Zelt sitzen hundert Kinder vor einem Lehrer – natürlich geht das nicht immer gut. Aber es gibt den Kindern ein wenig Struktur. Die Kleinen spielen einfach mit dem, was da ist: Steine beispielsweise, manche haben noch Murmeln auf der Flucht mitgenommen.

Wie groß ist das Lager?

Sherin Dahi: In dem Flüchtlingslager, in dem wir mit Galileo waren, leben 6000 Flüchtlinge. Dort gibt es geregelte Mahlzeiten und Ordnung, organisiert von der türkischen Regierung. Doch in dem mit rund 20 000 Flüchtlingen viel größeren Lager im Niemandsland, wo wir uns hauptsächlich engagieren, gibt es überhaupt keine Hilfsorganisation außer uns! Das UN-Flüchtlingswerk hat Zelte aufgebaut, das war’s.

Wie können wir den Flüchtlingen helfen?

Sherin: Wir haben mit der Organisation Orienthelfer des Kabarettisten Christian Springer 80 Tonnen Altkleider rübergefahren – aber das Materielle ist nicht alles. Deshalb haben wir und unser Vater ein Waisenhaus-Projekt angepackt. Denn was den Flüchtlingen am meisten fehlt, nach drei Jahren des Krieges, ist die Hoffnung! Seit vier Wochen ist das Waisenhaus nun im Bau, aber wir brauchen Hilfe: Finanzielle, aber wir suchen auch Freiwillige, die als Erzieher dort arbeiten oder Unterstützungsprojekte auf die Beine stellen.

Der Syrien-Krieg ist in den Medien ja sehr in den Hintergrund getreten. Wie ist die Lage?

Yasmin: Die Medien berichten immer weniger – aber die Situation in Syrien wird vor der Präsidentenwahl im Sommer immer schlimmer. Es ist Alltag, dass ein Soldat die Tür eintritt und die Menschen zwingt: Geh raus und demonstriere für Assad. Wer sich weigert, wird erschossen. Hier geht eine komplette Kultur unter.

Sehen Sie eine Chance, dass dieser Krieg in absehbarer Zeit endet?

Sherin: Selbst wenn das Töten morgen enden würde: Die Zerstörungen sind so gewaltig, dass es mindestens 20 Jahre dauern wird, das wieder aufzubauen. Nicht nur die Gebäude, sondern die Menschen.

Wie können die Kinder in ihrem Waisenhaus wieder ein bisschen Hoffnung bekommen?

Sherin: Es ist wichtig, dass sie nicht täglich mit dem Krieg konfrontiert werden. Die Kinder müssen einfach spielen können – ohne Angst.

Yasmin: Wenn wir als junge Studentinnen uns verpflichtet fühlen, diesen Kindern zu helfen, dann sollten sich die Weltmächte doch erst recht verpflichtet fühlen! Aber es passiert nichts, bei den Friedenskonferenzen kam nur heiße Luft raus. Die Flüchtlinge fühlen sich von allen verlassen und vergessen. Unser Waisenhaus soll ein Projekt der Hoffnung sein.

Interview: Klaus Rimpel

Spendenkonto Orienthelfer e.V.

Postbank (Giro)

Empfänger: Orienthelfer

Kontonummer: 46572805

Bankleitzahl: 70010080

IBAN: DE16 7001 0080 0046 5728 05

BIC: PBNKDEFF

VERWENDUNGZWECK: Spendahilfe

Auch interessant

Kommentare