Den Münchnern stinkt's

Jedes zweite Klo macht dicht

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Viele städtische Toiletten sind einfach eklig – wie die an der Theresienwiese. Sie wird geschlossen statt saniert.

München - Sieben Jahren Diskussionen. Jetzt macht die Stadt mit ihrem großen Klo-Plan ernst. Knapp die Hälfte der städtischen öffentlichen Toiletten wird zugesperrt, der Rest saniert.

Nach über sieben Jahren Diskussionen macht die Stadt nun ernst mit ihrem großen Klo-Plan. Der besagt: Knapp die Hälfte der derzeit noch vorhandenen 67 städtischen öffentlichen Toiletten wird zugesperrt, der Rest saniert. 60 Cent Benutzungsgebühr werden künftig fällig. Am Dienstag wird die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat dem Plan voraussichtlich zustimmen.

Erst wollte das Kommunalreferat die Häusl privatisieren. Doch dann fand sich nur ein Betreiber, der den Unterhalt der Toiletten mit großen Werbeflächen gegenfinanzieren wollte. Abgelehnt! Nun sollen die Stadtwerke die 67 Häusl übernehmen, davon aber nur 36 weiter betreiben. Die SWM sollen dazu ein eigene Toiletten GmbH gründen, die die Klos schließlich doch an einen privaten Dienstleister weiterreicht. Der Vertrag soll eine Laufzeit von 20 Jahren haben – alle Kosten, die nicht vom Eintrittsgeld gedeckt werden, will die Stadt übernehmen. Dafür ist ein Zuschuss von 2,94 Millionen Euro im Jahr geplant.

Die ersten Fortschritte sind bereits im Gange: So wird das geschlossene Klo an der U-Bahnstation Münchner Freiheit renoviert. Auch am Marienplatz soll die Klo-Sanierung demnächst im Zusammenhang mit der Erneuerung des Untergeschosses geschehen. Ähnlich will man bei den Toiletten an den U-Bahnhöfen Sendlinger Tor und Odeonsplatz vorgehen. Für die Klos am Isartor sowie am Rosenheimer Platz , die der Bahn gehören, will die Stadt einen Sanierungszuschuss gewähren. Außerdem werden die am Gollierplatz sowie am Hanns-Seidel-Platz geschlossenen Klos durch Münz-WCs ersetzt.

Die Häusl am Herkomerplatz sowie am Elisabethplatz werden als Kioske verpachtet, das ehemalige Tröpferlbad am Bavariaring wird zur Kneipe umgebaut. Die Toiletten dieser Anlagen bleiben öffentlich, kosten aber auch Geld. Ansonsten werden die übrigen 29 Klos – meist an U-Bahnhöfen – zugesperrt. Allerdings erst dann, wenn die übrigen Klos in der Nähe renoviert worden sind.

Die Rathaus-CSU kritisiert die Schließungspläne als „phantasielos“, so Fraktionsvize Hans Podiuk. „Ein Bonussystem mit den Geschäftsleuten etwa war kein Thema.“ Auch Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste kritisiert: „Es ist ein wirkliches Armutszeugnis für die Münchner Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Christian Ude, dass es nicht gelingen will, ordentliche kostenlose Toiletten zur Verfügung zu stellen."

Johannes Welte

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