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Mehr Rock, weniger Show

Muse in der Olympiahalle: Die Konzertkritik

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Matthew Bellamy (Archivfoto)

München - Wie unterschiedlich können Konzerte sein, wenn man die gleiche Musik spielt? Muse bewiesen in der Olympiahalle, dass ihre Lieder ganz verschieden klingen können.

Das bei der letzten Tour gern zitierte Nocturne von Frédéric Chopin blieb aus, und auch das Klavier als Bindeglied der Lieder wurde weniger bemüht, verschwand sogar die meiste Zeit im Bauch der halbrunden Bühne. Diesmal sollte es mehr um den Rock gehen, weniger um die Show drum herum.

Matthew Bellamy rutscht auch gleich zum Konzertanfang mit der Gitarre auf die Knie und lässt es heftig rocken. Los geht es mit „Supremacy“, dem ersten Stück des neuen Albums. Und dann leuchten auf der Bühne die Lichter so richtig auf: Die zunächst wie eine karge, überdimensionale Couch anmutende Empore mutiert in einen multimedialen Zauberwürfel, der virtuelle Welten entwirft. Jedes Lied bekommt ein ganz eigenes Design.

Schlagzeuger Dominic Howard darf sich dabei besonders freuen – mit seiner extremen Höhenangst waren die vertikal beweglichen Säulen der letzten Show eine Folter für ihn. Nun aber dreht sich die Schlagzeugbühne nur noch wenig. Einzig das Klavier wird noch rauf- und runtergefahren, das vor allem beim sentimentalen „Explorers“ in einem Regen aus fallenden rotgoldenen Herbstblättern zur Geltung kommt. Da wird die große Halle zu einem kleinen intimen Club – auch das schaffen die sonst so bombastischen Muse.

Das Publikum in München ist von Anfang an dabei, singt schon bei „Supremacy“ mit und erweist sich sowohl bei den alten als auch bei den neuen Liedern als äußerst textsicher. Es hat etwas von einer Messe, wenn die Fans Matthew Bellamys Verschwörungsängsten folgen bis zur großen Katharsis: Das bienenkorbartige Lichtelement, das von der Decke hängt, senkt sich als Pyramide über die Band, verschlingt sie: Dominic Howard legt mit seinen schweren Drums los und erscheint als Animation auf der Pyramide, wie er Angreifer von links und rechts schlagzeugend abwehrt – es ist Zeit für „Uprising“, dem Hit vom letzten Album. Das Publikum rast, als die Band endlich aus der Pyramide entlassen wird, und skandiert mit: „They will not force us, they will stop degrading us, they will not control us, we will be victorious.“ (Sie werden uns nicht zwingen, sie werden uns nicht mehr erniedrigen, sie werden uns nicht kontrollieren, wir werden siegen).

Und worum geht es seit Elvis Presley beim Rock’n’Roll? Um den Widerstand gegen ein Establishment, das unbequeme Verhaltenweisen unterdrückt, Konsumzwang ausübt, soziale Missstände billigt und sogar Kriege fördert. Wer das für eine paranoide Verschwörungstheorie hält, sollte nicht zu Muse-Konzerten gehen. Dass dort der Humor allerdings nicht zu kurz kommt, ist eines der Geheimnisse dieser Band, die nach wie vor aus drei Freunden besteht, die sich nicht allzu ernst nehmen. Die zweite politische Durchhalte-Hymne „Knights of Cydonia“ – eine Verneigung vor Ennio Morricones Westernmusik – wird mit der Titelmelodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ eingeleitet. Bassist Christopher Wolstenholme lässt die Mundharmonika heulen.

Das Konzert schließt stilecht mit der Olympia-Hymne „Survival“, während sich eine Nebelfontäne über das Publikum ergießt. Nach zwei Stunden hoch emotionaler Rockshow verlassen die Fans stark beeindruckt die Muse-Messe.

Antonio Seidemann

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