"Er wollte mich vergewaltigen!"

Mutige Kellnerin (38) schlägt Sextäter in die Flucht

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Julia H. (38) wehrte sich mit allen Kräften gegen den Angreifer. Noch heute leidet sie unter dem Vorfall im vergangenen Dezember.

München - Es ist der Morgen des 20. Dezember 2014, der das Leben von Julia H. (Name geändert) für immer verändert. Auf offener Straße versucht der 30-jährige Iraker Harith H. die Kellnerin zu vergewaltigen.

Erst nach einem minutenlangen Kampf lässt er von ihr ab. Sie sagt: „Es war so unwirklich.“ Die 38-Jährige ist nicht sein erstes Opfer. Schon vor fünf Jahren belästigte er eine Frau. Vor dem Landgericht räumt er die Vorwürfe ein: „Es tut mir alles so schrecklich leid.“

Harith H. muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

In der Triebstraße schlägt der Triebtäter zu. 6.05 Uhr: Kellnerin Julia H. ist auf dem Weg zur Arbeit, als ihr Albtraum wahr wird. „Anscheinend ziehe ich solche Typen an“, sagt sie mit starrem Blick. Vor drei Jahren zog sich ein Mann vor ihr aus und belästigte sie. Doch an jenem Morgen im Dezember letzten Jahres ist alles viel schlimmer. Als sie die U-Bahn am Olympia-Einkaufszentrum verlässt, bemerkt sie Schritte hinter ihr. „Da hatte ich schon eine Vorahnung.“ Sie erinnert sich: „Er wurde schneller, ich wurde schneller. Er fing an zu laufen, ich fing an zu laufen.“ Auf einem Grünstreifen packt Harith H. sein Opfer am Arm und wirft es zu Boden. Es folgt ein minutenlanger Kampf. Am Wegesrand presst er ihr Gesicht ins Gras, versucht, sie an intimen Stellen zu berühren. Doch Julia H. gibt nicht auf. „Ich habe all meine Kraft zusammengenommen. Irgendwie habe ich es geschafft, ihn auf die Seite zu drehen und seinen Kopf wegzudrücken.“ Als sie verzweifelt nach Hilfe schreit und ihn im Gesicht kratzt, lässt er locker. Ihre Chance! Ihre Arbeitsstelle – ein Nachtlokal – liegt nur wenige Schritte entfernt. Dort rettet sie sich hinein. Harith H. verfolgt sie, und hämmert wie wild gegen die verschlossene Eingangstür. Wenige Minuten später nimmt ihn die herbeigerufene Polizeistreife fest.

Noch heute hat Julia H. mit dem Vorfall schwer zu kämpfen. „Ich meine ständig, ich werde verfolgt. Tagsüber geht’s, aber am Abend ist es schlimm. Da begleiten mich Freunde.“ Ihren Job hat sie aufgegeben. Sie sagt: „Ich muss den Schock erst einmal verdauen.“

Zusammen mit Anwältin Rona Narlioglu sitzt die 38-Jährige als Nebenklägerin im Gerichtssaal und hofft auf ein gerechtes Urteil. Die Strafkammer um Vorsitzenden Philipp Stoll sieht einen Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 5000 Euro für angemessen. Ein Urteil soll am Mittwoch fallen.

Johannes Heininger

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