45:42 Monate

Erpresser muss länger in Haft als Hoeneß selbst

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Thomas S. (l.) bettelte um Gnade, Richter Oliver Ottmann schickte den geständigen Erpresser aber in den Knast. Uli Hoeneß (r.) musste nicht gegen seinen Erpresser aussagen

München - Er drohte Uli Hoeneß Probleme in der Haft an - und muss nun selbst einsitzen. Der Mann, der den Ex-Präsidenten des FC Bayern erpressen wollte, muss für Jahre ins Gefängnis.

Dr eine schickte einen Drohbrief, der andere hinterzog Steuern in Millionenhöhe. Sein Erpresser muss nun länger in den Knast als Uli Hoeneß (62) selbst!

Schon am zweiten Prozesstag fiel am Dienstag das Urteil gegen Thomas S. (51): Das Landgericht sprach ihn schuldig der versuchten Erpressung. Die Strafe: drei Jahre und neun Monate Haft – macht 45 Monate. Hoeneß kassierte dagegen dreieinhalb Jahre – also 42 Monate!

„Die Strafe steht nicht im Zusammenhang damit, wie Uli Hoeneß bestraft wurde. Die Verfahren lassen sich nicht vergleichen“, sagte Richter Oliver Ottmann (44). Er wertete den Erpressungsversuch sogar als besonders schweren Fall, blieb aber am unteren Ende des Strafrahmens. Möglich wären bis zu elf Jahre und drei Monate gewesen. Grund: die hohe Erpressungssumme von 215 000 Euro und die üppigen Vorstrafen von Thomas S. – er wurde bereits wegen Raub- und Betrugsdelikten verurteilt. „Auch bei der letzten Tat standen Sie wieder unter Bewährung. Aber es hat nichts geholfen. Sie lernen es anscheinend nicht mehr.“

S. hatte zuvor noch um Gnade gebeten. „Mir tut die Tat sehr leid. Ich bereue zutiefst und wünsche mir einen Neuanfang.“ Daraus wurde aber nichts! Richter Ottmann: „Sie wollten nicht nur schauen, ob sich Herr Hoeneß erpressen lässt – sondern das Geld auch tatsächlich abholen. Die Ängstigung der Familie war eingeplant.“ Und weiter: „Herrn Hoeneß hatten Sie bewusst als prominentes Opfer ausgewählt. Er würde sich in keiner Vollzugsanstalt verstecken können. Sie wollten seine Hilflosigkeit ausnutzen. Der mächtige Mann war plötzlich machtlos.“

Vier Jahre und drei Monate hatte Staatsanwalt Klaus Reichenberger gefordert. Verteidiger Martin Heidenreich plädierte auf zweieinhalb Jahre. Richter Ottmann: „Mit Ihrem Geständnis haben Sie Herrn und Frau Hoeneß einen unangenehmen Auftritt vor Gericht erspart.“ Die Erpressung sei dadurch vollendet, dass S. die Tüte aus dem Mülleimer nahm. Da aber kein echtes Geld darin war, bleibt es juristisch gesehen beim Versuch. „Man hätte das viel professioneller regeln können. Wenn Sie nicht an dem Mülleimer aufgetaucht wären, hätte man Sie wohl nie erwischt.“

Andreas Thieme

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