Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft

Mutmaßlicher Westend-Entführer in Thailand öffentlich vorgeführt

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Wurden der Presse präsentiert: In Thailand verhaftete Ausländer – darunter auch der mutmaßliche Ottobrunner Entführer Mario S. (3. von rechts).

München - Der mutmaßliche Entführer aus dem Westend, Mario S., ist in Thailand der Presse vorgeführt worden - was dort üblich ist. Er soll noch diese Woche nach München überführt werden.

Mit Sonnenbrille und gelbem T-Shirt sitzt der gebürtige Nordrhein-Westfale Mario S. neben anderen mutmaßlichen Straftätern auf einem Podium in Bangkok. Der 52-Jährige wurde am Freitag in Phrae im Norden Thailands verhaftet. Ihm wird wie berichtet vorgeworfen, die Ehefrau eines Bankers aus Ottobrunn (Kreis München) entführt zu haben. In Thailand ist es üblich, dass verhaftete Ausländer der Presse präsentiert werden. Auch der mutmaßliche Entführer Mario S. wurde von der thailändischen Polizei öffentlich vorgeführt.

Thailändischen Medien zufolge soll Mario S. vermutlich schon diese Woche nach München überführt werden. Denn es würde in Thailand keine weitere Strafanzeige gegen den 52-Jährigen vorliegen. In München hält man sich bedeckt, wann Mario S. überführt wird. „Während laufender Fahndungsmaßnahmen machen wir gar keine Angaben, um diese Maßnahmen nicht zu gefährden“, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage unserer Zeitung.

Wie ein Internetportal in Thailand berichtet, soll der Computerspezialist Polizeiangaben zufolge fünf Jahre in München gelebt haben. 13 Jahre soll er für eine Münchner IT-Firma gearbeitet haben. 2012 ließ er sich auszahlen und wanderte nach Thailand aus. Dort soll er mit seiner thailändischen Frau in Phrae, in der Nähe von Chiang Mai, ein Haus gebaut haben. Im Mai 2015 flog Mario S. zurück nach München.

An der Bergmannstraße im Westend hatte er für rund fünf Wochen eine Wohnung angemietet. Am 10. Juni überwältigte er die 46 Jahre alte Bankiers-Gattin in ihrem Wohnhaus in Ottobrunn und zwang den zwölfjährigen Sohn, sich mit Kabelbinder an einen Heizkörper zu fesseln. Mit der Mutter fuhr der Entführer in ihrem silberfarbenen Polo auf den Lidl-Parkplatz an der Westendstraße. In der Wohnung lag ein Erpresserbrief, in dem 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert wurden. Auf dem Parkplatz konnte die Frau des Sparkassen-Managers flüchten. Der Entführer versteckte sich in der Wohnung an der Bergmannstraße und flog noch am Tatabend nach Thailand. Die Kriminalpolizei fand offenbar später im Müllcontainer des Wohnhauses einen Prepaid-Handy-Vertrag von Mario S. und kam ihm so auf die Spur.

Am Freitag nahmen Beamte der Immigration den 52-Jährigen fest. Verhaftungsgrund war nicht die Entführung, sondern der von der deutschen Botschaft eingezogene Reisepass. Damit befand er sich illegal in Thailand und konnte in Abschiebehaft nach Bangkok gebracht werden. Wegen Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und versuchter schwerer Erpressung drohen dem mutmaßlichen Entführer bis zu 15 Jahre Haft.

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