Mutter ersticht Sohn - Gefängnisstrafe

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Irene N. am Donnerstag vor Gericht: Tränen nach dem Urteil

München - Eine Mutter hat ihren Sohn im Beisein der Töchter mit einem Küchenmesser erstochen. Jetzt muss sie für sechs Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Die Verteidigung plädierte für eine halb so lange Strafe.

Ihren Sohn Raphael hatte sie 18 Jahre lang nach Strich und Faden verwöhnt. Er dankte es seiner Mutter Irene N. (39) nicht, im Gegenteil. Er beschimpfte und beleidigte sie. Da rastete sie aus, rammte ihm ein Küchenmesser mitten ins Herz! Gestern verkündete das Münchner Schwurgericht das Urteil: sechs Jahre und zehn Monate Gefängnis wegen Totschlags.

„Die Angeklagte hat Elternliebe nie erfahren dürfen“, so Vorsitzender Richter Michael Höhne in seiner Urteilsbegründung. Umso mehr habe sie ihrem Sohn und den beiden jüngeren Töchtern eine Familie geben wollen, aber: „Von den Vätern der Kinder erhielt sie keinerlei Unterstützung. Die Männer schlugen sie.“ Höhne weiter: „Ihre eigenen Bedürfnisse musste sie zurückstellen.“

Für Raphael tat sie alles. „Sie hat auf der Wiesn als Toilettenfrau gearbeitet, um seinen Führerschein zu finanzieren.“ Übertriebene Mutterliebe, so der Richter: „Sie war unfähig, ihm klare Grenzen zu setzen.“

Und: „Raphael begegnete seiner Mutter mit chronischer Respektlosigkeit“, so Höhne weiter. Am Tattag, dem 12. 12. 2010, hatte die Mutter in der Wohnung geweißelt. Er beteiligte sich nicht an der Arbeit. Als er mit seiner Freundin heimkam, tobte der 18-Jährige: „Wie sieht die Dreckswohnung wieder aus!“ Er beschimpfte seine Mutter als Schlampe. Sie holte ein Küchenmesser, streckte es ihrem Sohn entgegen und schrie: „Nimm das Messer und bring mich um!“ Dabei fügte sie ihm eine leichte Verletzung an der Schulter zu. Raphael baute sich vor ihr auf: „Stech doch zu, wenn du dich traust!“

In dieser Situation rastete die Angeklagte aus, so Höhne: „Sie stach wuchtig in dessen Brust.“ Sekunden danach war sie geschockt: „Oh Gott, was habe ich getan?“ Der Getroffene sagte noch: „Nicht so schlimm, wird schon wieder.“ Dann brach er tödlich im Herz getroffen zusammen.

Mit der Tat hatte Irene N. nicht nur ihrem Sohn das Leben genommen. Raphaels Freundin war schwanger gewesen, ist inzwischen Mutter einer Tochter. Auch dieses Kind muss jetzt ohne Vater aufwachsen.

„Ihr Leben geht weiter. Sie kommen auf absehbare Zeit wieder raus“, sagte Richter Höhne zur Angeklagten. „Ihre Töchter brauchen Sie noch!“ Von Weinkrämpfen geschüttelt, ließ sich Irene M. aus dem Gerichssaal führen.

Eberhard Unfried

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