Tödlicher Familienstreit in Harlaching

Mama ersticht Sohn - Geständnis unter Tränen

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Völlig verzweifelt sitzt Irene N. (39) auf der Anklagebank im Münchner Schwurgericht.

München - "Nicht so schlimm, wird schon wieder", waren seine letzten Worte. Dann starb Raphael N. (18) aus Harlaching. Seit Montag muss sich seine Mutter Irene N.  für seinen Tod vor Gericht verantworten.

Die heute 39-Jährige hatte ihrem einzigen Sohn im Dezember vergangenen Jahres bei einem Streit ein Messer wohl ungewollt ins Herz gerammt. Unter heftigem Schluchzen hat Irene N. am Montag vor dem Münchner Schwurgericht die Tat gestanden. Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder hatte demnach ihrem Sohn Raphael am 12. Dezember 2010 vor den Augen seiner sieben und 17 Jahre alten Schwestern in ihrer Wohnung ein Küchenmesser in die Brust gestoßen.

Irene N. ist wegen Totschlags angeklagt. Die Freundin des Sohnes hat nach dessen Tod sein Kind zur Welt gebracht. Das vier Monate alte Mädchen und sein Großvater sind Nebenkläger im Verfahren. Der Prozess begann am Montag mit einstündiger Verspätung, weil die heftig erregte Angeklagte zunächst auf ihre Verhandlungsfähigkeit untersucht werden musste. Trotz eines Beruhigungsmittels wurde die gelernte Krankenpflegerin dann während ihrer zweistündigen Aussage immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt.

In diesem Wohnhaus an der Soyerhofstraße geschah die Bluttat.

Demnach hatte sie mit ihrem Sohn "dauernd gestritten". Der 18-Jährige habe eine Lehre "hingeschmissen" und sei von einem zweiten Lehrherrn wegen seiner Unzuverlässigkeit gefeuert worden. Zuletzt habe er monatelang überhaupt nichts getan, morgens lange geschlafen und sich abends lang herumgetrieben. Raphael, der unter Epilepsie litt, habe gegen den Rat seines Arztes "oft zu viel Alkohol getrunken" und seine Medikamente nicht genommen.

Die zuletzt als Küchenhelferin tätige Mutter machte sogar Schulden, um dem Sohn Führerschein und Handy zu finanzieren sowie seine Strafen für häufiges Schwarzfahren zu bezahlen. Zeitweise wohnte der Sohn bei seiner Freundin Ramona, deren Eltern ihn aber nach einem Streit vor die Tür setzten. Im Ermittlungsverfahren hat die Angeklagte ihren Sohn als aufbrausend und respektlos vor allem ihr gegenüber geschildert.

Den Streit am Tatabend hatten ungewollt die beiden Schwestern ausgelöst, erzählte die angeklagte Mutter. Sie hatten sich im Zimmer des Bruders breit gemacht. Raphael hatte sich darüber aufgeregt, heftig über die "Scheißwohnung" geschimpft und sich nicht beruhigen lassen, sagte seine Mutter weiter aus. "Geh doch einfach!" habe sie ihn deshalb aufgefordert und seine Freundin zur Tür hinaus gedrängt.

"Er war so böse, er drohte: Ich bringe dich um, du Hure!" schluchzte die 39-Jährige. "Dann bring’ mich doch um!" habe sie geschrien und zum Messer gegriffen. "Ich wollte es ihm geben." Er sei auf sie zugekommen, sie habe ihn hinaus schubsen wollen, dabei sei das Messer in seine Brust geraten. Sie denke seitdem "ständig an Selbstmord", sagte die verzweifelte Mutter, "aber da sind noch meine Töchter". Der Prozess wird fortgesetzt.

Sarah List

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