"Wir haben keine Kraft mehr ..."

Katrin M.: So unermesslich ist die Trauer der Eltern

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Simone M. im Kinderzimmer ihrer Tochter Katrin

Großdubrau - Die Mutter der in Sendling brutal ermordeten Katrin M. kann nicht fassen, dass ihre Tochter nie mehr nach Hause zurückkehren wird. Sie sagt: "Wir haben bald keine Kraft mehr ..."

Straubing, Niederbayern, Bezirkskrankenhaus – in einer Zelle sitzt ein junger Mann mit Strubbelfrisur. Die Psychiater dieser sichersten Klinik für Forensische Psychiatrie Deutschlands fragen sich, was im Kopf dieses 19-Jährigen vor sich geht...

Die Chronologie des Mordfalls

Großdubrau bei Bautzen, Sachsen – im einem Zimmer eines Familienhauses sitzt eine Mutter auf dem Bett ihres Kindes. In den Händen hält sie ein großes Foto mit beigem Passepartout und hölzernem Rahmen. Simone M. (54) hat rot verheulte Augen, sagt im Interview mit der Dresdner Morgenpost brüchig und leise: „Katrin kommt nicht wieder.“ Und mit erstickter Stimme: „Er hat unsere Familie zerstört.“

Er, das ist Marco F., 19, der Typ mit der Strubbelfrisur, psychisch schwer gestört und ein Mörder. Der Mörder von Katrin M. (31), die als Verlagsangestellte in München arbeitete und vor ihrer Wohnungstür in der Halskestraße 17 in Obersendling verblutete – nach 18 Messerstichen durch Marco F.

Das letzte Foto von Katrin M. bei ihrer Familie

Simone kommen immer wieder Tränen. Sie und ihr Mann Wilfried (61) waren vergangenen Donnerstagvormittag von der Kripo München informiert worden, dass der Mörder ihrer Tochter gefasst wurde. Die Sozialpädagogin nimmt ihre kleine Kamera, zeigt das letzte Foto von Katrin, als sie zusammen mit ihrem Freund Alexander das letzte Mal bei ihnen Zuhause in Großdubrau war. „Habe ich am zweiten Weihnachtsfeiertag aufgenommen. Katrin hatte unseren Weihnachtsbaum geschmückt. Am 30. Dezember ist sie mit Alexander wieder nach München gefahren. Sie wollten dort mit Freunden Silvester feiern.“

Trost finden die Eltern durch die große Anteilnahme. „Sogar der Münchner OB hat kondoliert, zur Beerdigung einen Kranz geschickt.“

Vater Wilfried zeigt einen schwarzen Hut seiner Tochter: „Den hat Katrin immer zu Fasching aufgesetzt und dann Faxen gemacht. Sie war so lebenslustig, eine Frohnatur.“ Den Vater hat der Tod der geliebten Tochter kraftlos gemacht: „Ich verstehe das nicht. Katrin war 1,78 Meter, eine große Frau. Sie konnte sich wehren, beherrschte Kickboxen. Sie war sehr schnell. Er muss das Mädel von hinten erstochen haben. Nun müssen wir ihre gemeinsame Wohnung ausräumen. Katrins Freund Alexander will nicht mehr dort wohnen.“

Frau in Obersendling ermordet: Hier geschah die Bluttat

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Es ist, als huschte ein kleines zufriedenes Lächeln über seinen Mund, als er über Katrins Berufsweg erzählt: „Sie hat Betriebswirtschaft studiert, war sogar an einer Hochschule in Leeuwarden in Holland. Wir haben uns gefreut, dass beruflich alles geklappt hatte. Doch jetzt ist alles plötzlich nur noch dunkel.“

Mama Simone steht in der Tür des Kinderzimmers, sagt leise: „Hier haben Katrin und Alexander immer geschlafen, wenn sie bei uns waren. Ich habe in meinem Beruf mit Familien zu tun, wo Gewalt herrscht. Ich hätte nie gedacht, dass es mal uns treffen würde.“

Sie blickt auf das Foto in ihren Händen. Sie blickt auf Katrin, ihr Kind, das so charmant lacht und jetzt tot ist. Leise sagt sie: „Wir haben keine Kraft mehr, sind bald am Ende ...“

Uwe Garten

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