Kaum Fahrgäste wegen Corona

MVG in der Krise - Neuer Preishammer droht: „Wir rechnen mit 180 Millionen Euro Verlust“

Kaum Fahrgäste wegen Corona: MVG-Chef Ingo Wortmann verrät im tz -Interview
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Kaum Fahrgäste wegen Corona: MVG-Chef Ingo Wortmann verrät im tz -Interview.

Die Corona-Krise hat die MVG ins Mark getroffen: Aufgrund drastisch gesunkener Fahrgastzahlen gerät das finanzielle Konstrukt ins Wanken. MVG-Chef Wortmann spricht über die Auswirkungen.

  • Die MVG hat in den vergangenen Monaten viel weniger Passagiere als erwartet befördert.
  • Kein Wunder: Die Corona-Pandemie hat die Stadt München über einige Wochen lahmgelegt.
  • Inwiefern sich dies finanziell auf das Unternehmen auswirkt, erzählt uns MGV-Chef Wortmann.

München - Wochenlang leere Trams, auch in den Bussen und U-Bahnen waren kaum Fahrgäste unterwegs. Ja, die Corona-Krise hat auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hart getroffen. Millionenverluste! Im tz-Interview spricht MVG-Chef Ingo Wortmann detailliert über die Einbußen – und über Preiserhöhungen.

Herr Wortmann, der Bund hat einen Rettungsschirm für den ÖPNV beschlossen – das ist aber nicht mal die Hälfte der geforderten sechs Milliarden.

Ingo Wortmann: Der Bund erarbeitet eine Rahmenregelung, die es den Bundesländern ermöglichen soll, den Verkehrsunternehmen Beihilfen für die stark verringerten Fahrgeldeinnahmen zu gewähren. Auf die Weise sollen die jetzt zugesagten 2,5 Mrd. Euro aufgestockt werden. Wir hoffen, dass der Freistaat seinen Anteil leisten wird.

Corona schränkt MVG-Betrieb ein - Kommt nun weitere Preiserhöhung?

Was bedeutet das für die Ticketpreise. Müssen Sie angesichts des kleineren Schirms nun stärker steigen als bei einem Sechs-Milliarden-Schirm?

Wortmann: Das ist abhängig davon, wie hoch die zusätzlichen Beihilfen der Länder ausfallen.

Ist es sogar denkbar, dass es innerhalb eines Jahres zwei Preiserhöhungen geben könnte?

Wortmann: Die nächste Tarifanpassung im MVV ist zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2020 geplant. Zu weiteren Tarifanpassungen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage möglich.

Gespräch in der Tram: MVG-Chef Ingo Wortmann mit unserem Redakteur Wolfgang Hauskrecht (li.).
Wann wussten Sie, dass auf die MVG schwere Zeiten zukommen?

Wortmann: Wir haben früh geahnt, dass die Zeiten schwerer werden, aber nicht, dass die Zahlen so drastisch runtergehen.

Dann kam die Frage, wie viel lässt man noch fahren.

Wortmann: Wir haben einige weniger nachgefragte Verstärkerlinien rausgenommen, bei der U-Bahn, aber auch bei der Tram. Etwa zu Hochschulen, die ja geschlossen waren. In Absprache mit der Stadt haben wir dann nicht weiter reduziert, damit alle, die den Nahverkehr nutzen, die Möglichkeit haben, die Abstände zu wahren.

Wie viel Verlust muss die MVG verkraften?

Wortmann: Im Moment ist es ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Wir haben ein Szenario erstellt, wonach wir bis zum Jahresende mit 180 Millionen Euro weniger Fahrgeldeinnahmen rechnen müssen. Aber wir hoffen noch, dass es nicht so schlimm kommt.

Münchner Nahverkehr in der Krise? „Wenn viele Menschen im Homeoffice bleiben...“

Die gesamten Ticketeinnahmen lagen 2019 bei rund 560 Millionen Euro...

Wortmann: Die 180 Millionen Verlust sind ein erheblicher Anteil. Und wenn viele Menschen weiter im Homeoffice bleiben oder radeln, könnten sich die Verluste sogar noch bis in das nächste Jahr hineinziehen.

Wie viele Fahrgäste haben Sie durch Corona verloren?

Wortmann: Wenn man es auf einen mittleren Werktag berechnet, waren teilweise nur 400.000 Fahrgäste unterwegs statt normalerweise zwei Millionen.

Die Fahrpreise werden aber steigen müssen, oder?

Wortmann: Die Ausfälle nur über die Ticketpreise zu kompensieren, das wäre unrealistisch. Aber wir brauchen Fahrpreiserhöhungen – möglichst Ende 2020, aber auch in 2021. Nullrunden sehe ich in den kommenden Jahren nicht. Das ist aber unabhängig von Corona. Wir haben beispielsweise gestiegene Personalkosten. Nach der Nullrunde bei der Tarifstrukturreform und geringen Erhöhungen brauchen wir wieder höhere Preise.

Von welcher Größenordnung sprechen wir?

Wortmann: Da halte ich mich noch zurück. Es wird fleißig kalkuliert, die Gespräche mit allen Beteiligten – S-Bahn, Stadt, Freistaat und die acht Verbundlandkreise – laufen.

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