So geht es am Donnerstag weiter

MVG-Streik: Kommt heute das Chaos?

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MVG-Mitarbeiter bestreiken eine Tram.

München - Auch am Donnerstag wird bei der MVG wieder gestreikt. Angestellte in den U-Bahn-Werkstätten treten in den Ausstand. Wie viel bekommen die Fahrgäste davon mit?

Wer Mittwoch-Früh mit der Tram in die Arbeit wollte, musste entweder lange Wartezeiten hinnehmen oder gleich auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Wegen der Streiks bei der MVG war etwa nur ein Drittel der Trambahnen im Einsatz.

Am Morgen konnte die MVG nur die Linien 17, 18 und 19 aufs Gleis schicken, und auch die fuhren nicht nach Plan. Um 7 Uhr kam noch die 21 hinzu. Erst um 10 Uhr setzten sich die streikenden Tramfahrer wieder ans Steuer, bis zum Mittag erholte sich die Lage wieder. Bei den Fahrkartenkontrolleuren waren laut MVG nur 40 Prozent im Streik.

Per Pressemitteilung merkte MVG-Chef Herbert König süffisant an: „Die eher mäßige Streikbeteiligung zeigt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus wissen: Das Angebot, die von Verdi ausgehandelte Tariferhöhung im öffentlichen Dienst Deutschlands auch für den öffentlichen Nahverkehr in Bayern zu übernehmen, ist fair und akzeptabel.“ Das würde ein Plus von drei Prozent bedeuten, die Nahverkehrs-Gewerkschaften fordern jedoch vier Prozent sowie eine Anhebung der unteren Löhne um 120 Euro.

Franz Schütz (42), Verdi-Gewerkschaftssekretär in München, erklärte: „Wir wollen nicht die Fahrgäste treffen, sondern die Arbeitgeber.“ Darum habe man entschieden, in München zunächst zu Maßnahmen zu greifen, die die Fahrgäste nicht sofort drastisch spüren. Zum Vergleich: In Nürnberg wurden am Dienstag U-Bahn, Bus und Tram bestreikt, heute wird das Ganze wiederholt.

Allerdings gibt es zwischen beiden bayerischen Metropolen einen entscheidenden Unterschied. Schütz: „Während in Nürnberg alle Fahrer über den Tarif des Kommunalen Nahverkehrs bezahlt werden und somit streiken dürfen, werden in München rund 600 der 2000 Fahrer über den Haustarif der MVG bezahlt.“ Der liege rund 50 Euro unter dem Kommunalen Tarif. Neueinstellungen fallen in München sofort unter den Haustarif.

Der Gewerkschafts-Verhandlungsführer Manfred Weidenfelder erklärt aber: „Dass wir bislang eher zu Maßnahmen gegriffen haben, die die Fahrgäste nicht so sehr spüren, heißt nicht, dass die Gewerkschaften nicht in der Lage wären, U-Bahn, Tram und Bus zeitgleich zu bestreiken.“

Man könne auch die Fahrer im MVG-Tarif zu einem zeitgleichen Solidaritätsstreik aufrufen. Und das sei keine leere Drohung. Schütz: „Die Streikbeteiligung bei den Tramfahrern lag gestern bei 90 Prozent.“ Derzeit sei aber noch kein großer Streik geplant.

Und so geht's weiter

Auch am Donnerstag wird’s bei der MVG Streiks geben – beteiligt sind Beschäftigte im kommunalen Tarif. Schon am Mittwoch traten Angestellte in den U-Bahn-Werkstätten in den Ausstand. Dieser Streik soll am Donnerstag noch den gesamten Tag anhalten. Die Fahrgäste werden davon voraussichtlich nichts mitbekommen.

„Ein Streik in den Werkstätten würde bedeuten, dass Wartungsarbeiten und kleinere Reparaturarbeiten an U-Bahn-Zügen verspätet stattfinden“, heißt es dazu bei der MVG. Und weiter: „Ob dies am Donnerstag Auswirkungen auf den U-Bahn-Betrieb haben wird, können wir derzeit noch nicht abschätzen.“

 Allerdings könnte das bedeuten, dass U-Bahn-Waggons verspätet repariert werden und sie dann im Fahrdienst fehlen. Verdi plant für die kommenden Tage außerdem kleinere Warnstreiks in den Bereichen Kundencenter, Callcenter, Fahrdienste und Automatenwerkstatt.

Johannes Welte, Christina Riße

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