Ticket-Preise sollen steigen

Der MVV-Hammer: Bahn will 3,5 Prozent mehr

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Durcheinander beim öffentlichen Nahverkehr: Das gibt’s nicht nur am Bahnsteig, sondern auch am Verhandlungstisch.

Offenbar will die Deutsche Bahn – einer der MVV-Gesellschafter – die Tickets im Schnitt um 3,5 Prozent teurer machen.

Der öffentliche Nachverkehr hat Verspätung. Diesmal aber nicht eine einzelne S-Bahn oder ein Bus, sondern der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) als ganzer. Denn: Am Freitag hätte eigentlich klar sein sollen, um wie viel teurer die Fahrkarten im Dezember werden. Aber: Die Gesellschafterversammlung des MVV hat die Verhandlungen abgebrochen. Denn: Offenbar will die Deutsche Bahn – einer der MVV-Gesellschafter – die Tickets im Schnitt um 3,5 Prozent teurer machen. Da macht die Stadt in Gestalt von OB Dieter Reiter (59, SPD) und Bürgermeister Josef Schmid (47, CSU) nicht mit! Denn: Am Ende geht es um das Geld der Bürger, und München ist eh schon so teuer.

Was bei der Freitags-Sitzung passiert ist: bemerkenswert. Selbst langjährige ÖPNV-Experten können sich nicht daran erinnern, wann Verhandlungen über die MVV-Preiserhöhung zuletzt vertagt wurden. Traditionell werden die Erhöhungen immer unmittelbar vor der Wiesn bekannt gegeben. Und noch etwas Bemerkenswertes: Dem Vernehmen nach haben Reiter und Schmid den Schulterschluss gesucht. Seit an Seit fochten die Vertreter der Stadt zunächst für eine Nullrunde. Schließlich – so ist es überliefert – hätten sich beide heldenhaft zumindest für eine moderate Erhöhung eingesetzt.

Wie zu erfahren war, sind die Verhandlungen festgefahren. „Dass nun die Gespräche vertagt wurden, zeigt, wie groß der Widerstand ist“, sagt ein Insider. Offenbar gingen Freistaat und Bahn mit einer Forderung von 3,5 Prozent Erhöhung in die Verhandlungen. Schmid und Reiter wollten zunächst eine Nullrunde, zuletzt dann nach tz-Informationen immerhin eine Eins vor dem Komma, die Rede ist von 1,4 Prozent. Die Forderungen der Bahn sollen immer noch deutlich im Zweier-Bereich liegen.

2016 waren die MVV-Preise im Schnitt um 2,9 Prozent gestiegen. Bahn und Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) argumentieren, dass so deutliche Erhöhungen nötig sind – etwa für neue Fahrzeuge und neue Linien. Schmids Erwiderung: MVV-Preise sind eine der wenigen Möglichkeiten der Stadt, auf die Lebenshaltungskosten Einfluss zu nehmen. Zu den weiteren Gesellschaftern gehören Freistaat, Bahn und die Landkreise rund um München.

Im bundesweiten Vergleich fällt auf, dass man in München offenbar immer deutlich stärker zuschlägt als andernorts. Der Hamburger Verkehrsverbund hat die Preise jüngst um 1,2 Prozent angehoben, der Verkehrsverbund Rhein-Sieg in Köln um 1,1 Prozent, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg fährt heuer sogar eine Nullrunde. Warum ist das nicht auch in München möglich?

Matthias Korte, Sprecher der MVG: „Ein Vergleich mit anderen Verkehrsverbünden ist mit großer Vorsicht zu genießen. Die Ausgangslage ist in jedem Verbund anders, etwa was den Ausbau- und Erneuerungsbedarf betrifft, aber auch die Finanzierungsstrukturen.“ Die MVG sei nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt: „Wir verlangen von unseren Kunden nur so viel Geld, wie wir zur Finanzierung unseres Angebots und den Ausbau des Nahverkehrs benötigen.“

Jetzt könnte die Entscheidung über eine Tariferhöhung am 29. September fallen. Dann treffen sich die Verhandlungspartner erneut.

Die Bahn-Pläne

Für Josef Schmid (CSU, l.) ist der MVV ­bereits der zweite ­Anlauf in Sachen Kostenbremse. Zuvor hatte der Bürgermeister die Idee, den Preis für die Wiesn-Mass zu beschränken. Um diesen Plan gab es Streit – unter anderem mit OB Dieter Reiter (r.). Am Ende setzte sich Schmid nicht durch: Die Wiesn-Mass folgte den Naturgesetzen und stieg im Preis.

Sascha Karowski

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