Schon wieder Rekordeinnahmen

MVV-Preise: Kommen jetzt Nullrunde und Flatrate? 

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Die Münchner FDP hat diverse Ideen, wie sich das Preissystem vereinfachen ließe. 

Wieder Rekordeinnahmen beim MVV, dennoch stemmt sich der Verkehrsverbund gegen eine Nullrunde, die Bürgermeister Josef Schmid (CSU) ins Spiel gebracht hat. Derweil fordert die Münchner FDP mehr Mut bei der Tarifreform und setzt sich für eine Flatrate ein.

München - Streifen, Ringe, Zonen – nicht nur Touristen sind bei der Ticketsuche oftmals überfordert. „Als Pendler sieht man täglich die schiere Verzweiflung am Ticketautomaten“, sagt Fritz Roth, Vorsitzender der Münchner FDP. Die Liberalen wollen nun das Tarifsystem deutlich stärker reformieren, als dies beim Münchner Verkehrsverbund (MVV) offenbar angedacht ist. „Der MVV spricht von einer Modernisierung“, sagt FDP-Stadtrat Michael Mattar. „Es handelt sich um geringfügige Änderungen, eine insgesamt mutlose Reform.“

Neue Idee der FDP: Nahverkehr zum Festpreis

Die Forderung der Liberalen sieht nun unter anderem eine Flatrate vor. Ab 9 Uhr sollen alle Kunden innerhalb Münchens für 365 Euro Jahrespauschale zwischen den Ringen eins bis vier fahren können. Das wäre ein Test für die Einführung eines kompletten Flatrate-Tarifs, also auch für Fahrten in den Hauptverkehrszeiten. Denn die FDP möchte langfristig die Ringe abschaffen und den Stadtbereich als ein Tarifgebiet ausweisen. 

Zudem fordern die Liberalen, dass Kinder bis 14 Jahre ausnahmslos kostenlos fahren dürfen, und zusätzlich zu dem Studententicket soll ein Schülerticket eingeführt werden. Ferner sollen alle Tickets bereits ab dem Kauf gültig sein und nicht mehr entwertet werden müssen. Dazu wäre eine Umstellung auf Chipkarten und elektronische Lesegeräte nötig.

Dass die Flatrate tatsächlich kommt, gilt als zweifelhaft. Sowohl der MVV als auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) lehnen bislang ein solches Modell ab, weil dadurch offenbar 80 Millionen Euro weniger eingenommen würden. „Wir halten diese Zahlen jedoch für nicht belegt“, sagt Roth.

Die Einnahmen des MVV sprudeln wie nie

Die Einnahmen des Verkehrsverbunds jedenfalls sprudeln wie nie zuvor. Das belegen aktuelle Statistiken. 2016 zählte der MVV 711 Millionen Kunden. Die bedeuten ein Plus von 2,7 Prozent gegen über 2015 – ein erneuter Höchstwert. Mit 872 Millionen Euro haben sich zudem die Einnahmen weiter positiv entwickelt, es sind rund 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei stieg der Verkauf von Einzelfahrkarten um zehn, der von Streifenkarten um sieben Prozent. Durch Zeitkarten sind ebenfalls sieben Prozent mehr Einnahmen generiert worden.

Gegen Schmids Idee von der Preisbremse

Trotz der neuerlichen Rekordumsätze: Eine Nullrunde beim MVV soll es nicht geben, zumindest wehrt sich dessen Geschäftsführer Alexander Freitag gegen einen entsprechenden Vorstoß von Münchens Bürgermeister Josef Schmid (CSU). Der hatte die Idee ins Spiel gebracht, die Preise der Tickets heuer nicht anzuheben. „Wir brauchen aber eine marktverträgliche regelmäßige Tariferhöhung“, sagt Freitag. Denn der MVV muss sein Angebot ausbauen, das bisweilen schon nicht mehr die Nachfrage deckt. Diese Ausweitung müsse aber finanziert werden. „Und das geschieht durch die Tariferhöhung, oder es zahlt der Steuerzahler.“ 

Schmid hatte argumentiert, dass Verbesserungen allein durch die steigenden Fahrgastzahlen und dadurch erzeugte Mehreinnahmen gestemmt werden könnten. Freitag: „Durch eine Nullrunde fehlen 20 bis 25 Millionen Euro.“ Das hole man nicht mehr rein. Mithin müssten in den darauffolgenden Jahren die Tarife deutlich markanter angehoben werden, als bisher üblich. „Und dann ist das Ach und Weh noch viel größer.“

Lesen Sie auch zum Thema den Gastbeitrag der Aktion Münchner Fahrgäste zur ÖPNV-Situation in München:  „Dieser Nahverkehr ist der 1,5-Millionen-Stadt München unwürdig“.

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