Eklat um Fahrausweise

MVV wirft 15 Kinder aus Schulbus

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Bei Marzling quasi ausgesetzt (v.l.): die Schüler Benjamin Taschner, Martin Mair und Lucia Baumgartner.

Marzling - Die Eltern sind fassungslos: Kontrolleure des MVV verwiesen am Freitag etwa 15 Kinder in Marzling aus dem Schulbus, weil sie – zusätzlich zum städtischen Busausweis – keinen MVV-Ausweis vorzeigen konnten.

Am Freitag früh war in Marzling (Landkreis Freising) schon eine Hiobsbotschaft wie eine Bombe eingeschlagen: Die Buslinie 633 nach Freising soll nach dem Willen der Stadtwerke Freising aus Kostengründen eingestellt werden (wir berichteten). Mit betroffen: 190 Schüler weiterführender Schulen.

Am frühen Nachmittag kam es dann in der rasch wachsenden Ortschaft vier Kilometer östlich von Freising zu einem zweiten Bus-Eklat: MVV-Kontrolleure sahen offenbar rot. Der Schulbus war gerade auf dem Weg von Freising zurück nach Marzling und einem knappen Dutzend weiterer kleinerer Ortschaften, als MVV-Kontrolleure die kleinen Fahrgäste um ihre Ausweise baten. Die rund 15 Kinder aus Marzling und Umgebung, die im Freisinger Ortsteil Neustift die Hauptschule besuchen, zückten ihre städtischen Busausweise. Einen zweiten Ausweis, den vom MVV, hatten sie heuer erstmals nicht erhalten. Und das wurde ihnen nun zum Verhängnis: Die Kontrolleure verwiesen die Kinder in Marzling aus dem Bus und drückten ihnen noch einen Kontrollbeleg samt Überweisungsträger in die Hand. Die Eltern sollten gleich am Montag die fälligen 40 Euro überweisen. Die Kinder mit MVV-Ausweis – alle von weiterführenden Schulen – durften sitzen bleiben und wurden nach Hause gefahren.

„Ich denke ja gar nicht daran, die 40 Euro zu bezahlen“, tobte gestern Bernhard Baumgartner aus Hangenham. Seine Tochter Lucia, eine Fünftklasslerin, war am Freitag unter den „Schwarzfahrern“. Da stand sie nun in Marzling, vier Kilometer von zu Hause entfernt, und beide Eltern waren in der Arbeit. Schließlich wurde über Umwege die Oma alarmiert, die Lucia abholte. „Es ist einfach unbegreiflich, wie man Kinder einfach so aus dem Bus werfen kann“, kritisiert Vater Bernhard Baumgartner. „Man hätte ihnen doch sagen können, dass sie künftig auch einen MVV-Ausweis brauchen.“

Auch Hildegard Mair aus Unterberghausen – fünf Kilometer von Marzling entfernt – kann nicht verstehen, „wie man so herzlos und unsensibel vorgehen kann“. Ihr Sohn Martin, ein Neuntklassler, flog ebenfalls aus dem Schulbus. Martin Mair setzte gelassen einen Notruf übers Handy ab – das Mädchen vom Nachbarshof aber, eine Fünftklasslerin, konnte ihre Eltern nicht erreichen und war „fix und fertig“. Hildegard Mair nahm das verzweifelte Kind gleich mit. Am heutigen Montag wollen sich die Eltern beim MVV beschweren. Hildegard Mair: „Das wird ein Nachspiel haben.“

Helmut Hobmaier

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