MVV: Kritische Töne beim Jubiläum

Appell von Alt-OB für die zweite Stammstrecke

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Von links nach rechts: MVV-Chef Alexander Freytag, Oberbürgermeister Christian Ude, Verkehrsminister Martin Zeil und Alt-OB Hans-Jochen Vogel.

München - Großer Bahnhof für den MVV: Politiker und Ehrengäste feierten am Freitag den 40. Geburtstag des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes. Alt-OB Hans-Jochen Vogel kritisierte die amtierenden Politiker.

Unter die vielen Jubelworte mischte sich auch deutliche Kritik – ausgerechnet von einem der Gründerväter des MVV: von Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD). Er griff die amtierenden Politiker wegen ihrer zögerlichen Haltung zur zweiten Stammstrecke an.

Seit 1972 hat sich die Zahl der täglichen S-Bahn-Pendler von 230 000 auf gut 800 000 mehr als verdreifacht. Die jährliche MVV-Fahrgastzahl verdreifachte sich von 203 auf 645 Millionen Kunden. Und das Netz ist schon längst an der Grenze der Belastbarkeit …

Alle Redner – von OB Christian Ude (SPD) bis hin zu Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) – forderten den Ausbau der Infrastruktur – und meinten vor allem die zweite Stammstrecke. Sie blieben dabei mit ihren Appellen so im Allgemeinen, dass dem Festredner, Alt-OB Vogel, am Schluss schließlich der Kragen platzte: „Die heutigen Appelle habe ich gehört. Dabei gebe ich Folgendes zu bedenken: Jeder dieser Appelle an andere sollte immer auch ein Stück Bereitschaft enthalten, selbst auch einen Beitrag zu leisten.“

Vogel erinnerte dabei an die Gründungszeit des MVV: „Vor 40 Jahren gab es eine parteiübergreifende Kooperation. So etwas wünsche ich mir für die zweite Stammstrecke.“

tz-Interview mit dem Ex-MVV-Geschäftsführer Dieter Lippert: Warum das planen früher schneller ging

Dieter Lippert, von 1973 bis 1993 Geschäftsführer des MVV, hat am Freitag gleich doppelt Grund zum Feiern gehabt. Seinen eigenen 77. Geburtstag – und die 40-Jahr-Party des MVV. Lassen Sie uns reden – das tz-Interview:

Was fällt Ihnen in München positiv auf?

Lippert: S-Bahn-Züge, U-Bahnen, Bahnhöfe und Tram-Haltestellen sind viel sauberer als in vielen anderen Verbundstädten.

Wenn Sie sonst so die Entwicklung verfolgen: Was sind Ihre wesentlichen Eindrücke?

Lippert: Vieles, was wir damals geplant haben und was nicht unumstritten war, wurde umgesetzt. Beispielsweise die Verknüpfung von U- und S-Bahn etwa in Moosach und Feldmoching. Lange Zeit befürchtete man, dass sich beide Verkehrsmittel die Fahrgäste abjagen. Das Gegenteil ist der Fall.

Gingen das Planen früher schneller?

Lippert: Ja. Man hat gesehen, was Beamte leisten können, wenn sie motiviert sind. Außerdem war die Denke anders: Man hat nicht nur vom anderen verlangt, etwas zu machen. Man hat vorher auch überlegt: Was kann man selbst dazu beitragen, damit ein Projekt gelingt?

Karl-Heinz Dix

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