Immer mehr Schwarzfahrer unterwegs

Kontrollen und Chaos! Aufregung in den S-Bahnen

München - Das Service-Team der Deutschen Bahn kontrolliert verstärkt die Fahrgäste der Münchner S-Bahn auf ihre Tickets. Wenn dann auch noch technische Probleme auftauchen, gibt es doppelt Ärger.

Auch wenn’s für manche ärgerlich ist: Wer erwischt wird, zahlt! Apropos: Die Zahl der Schwarzfahrer in unseren S-Bahnen ist gestiegen. Darum hat die Bahn wieder Schwerpunktkontrollen eingeführt. Zum Beispiel am Dienstag am Rosenheimer Platz in München:

Burim aus Eichenau, der seinen Nachnamen lieber nicht sagen will, erklärt seinen Ärger so: „Eigentlich fahre ich immer mit dem Auto in die Stadt, und außerdem habe ich doch gestempelt! Das ist so ärgerlich, so ein Mist“, schimpft er gegenüber dem Münchner Merkur. Dann dreht der 25-Jährige seine Streifenkarte um. „Wo bitte steht da, dass man bis München vier Streifen stempeln muss?“

Die Fahrscheine, bitte: Kontrolle am Rosenheimer Platz

Der junge Mann ist bereits der sechste Schwarz­fahrer, den Nicole S. (Name geändert) heute erwischt. Er hat zwei Streifen zu wenig gestempelt. Weil er’s nicht besser wusste, sagt er. „Standardausrede“, sagt Nicole S. Seit drei Jahren arbeitet Nicole S. als Kontrolleurin beim Service-Team der Bahn. Heute ist sie hier am Rosenheimer Platz im Einsatz, und das nicht allein: 40 Kollegen haben sich in den beiden Zwischengeschossen der S-Bahn-Station postiert, viele in Uniform, ein paar in zivil. Die Bahn nennt das „Schwerpunktkontrolle“. Hier wird jeder kontrolliert, der vom Gleis kommt oder zum Gleis will.

Bei der Aktion waren 40 Kontrolleure im Einsatz.

Ende 2012 hatte die Bahn diese Form der Kontrolle eigentlich abgeschafft. Damals lag die Schwarzfahrer-Quote in der S-Bahn bei 1 bis 1,5 Prozent. Das Unternehmen hielt das für einigermaßen vertretbar. Aber dabei blieb es nicht. „Seit Mitte 2014 liegt die Quote wieder bei etwa drei Prozent“, sagt Elisabeth Ehrenwirt, die beim DB-Marketing für die Fahrgeldsicherung zuständig ist. Das entspricht etwa 25.000 Personen, die schwarzfahren. Seitdem gibt es auch wieder Schwerpunktkontrollen, bis zu drei Mal im Monat.

Viele Fahrgäste sind einsichtig und riskieren’s: lieber ein Mal erwischt werden als eine Karte kaufen. Ab 1. August soll diese Rechnung nicht mehr aufgehen. Dann wird Schwarzfahren in allen Bahn-Zügen und im MVV-Gebiet mit 60 Euro geahndet, bisher sind es 40. Das soll helfen, die Schwarzfahrerquote zu senken.

Stellwerkstörung verursacht Chaos

Wer auf die Münchner S-Bahn angewiesen ist, darf sich gerne wie Bill Murray in der Kult-Komödie "Und ewig grüßt das Murmeltier": Es ist alles wie immer, und das heißt – im Gegensatz zu der vergnüglichen Hollywood-Komödie: Warten und Bangen, wann es weitergeht …

Am Dienstagmorgen also mal wieder zur Abwechslung eine Stellwerkstörung am Ostbahnhof. Und das bedeutete schon in den frühen Morgenstunden: Chaos auf der Stammstrecke, Verzögerungen im Berufsverkehr und auch Zugausfälle.  Wer etwa mit der Stress-S-Bahn der Linie 1 unterwegs war – die ohnehin notorisch anfällig ist für Verspätungen –, der konnte zumindest in Feldmoching oder Moosach (weiter fuhr sie nicht von Freising Richtung München) in eine der U-Bahnlinien umsteigen. Das Glück hatte freilich nicht jeder S-Bahn-Passagier.

Bis zum Mittag dauerten diesmal die Auswirkung der Störung im Münchner Osten. Auf der S1 ging’s gegen halb eins mittags wieder regulär weiter. Die Entwarnung der Bahn kam bereits 40 Minuten vorher gegen 11.50 Uhr: Die Störung ist behoben, außer auf der S1 fahren wieder alle Linien streng nach Dienstbetrieb. Und die S1? Fuhr da noch von Moosach direkt bis zum Hauptbahnhof durch und hielt dort oberirdisch. Immerhin das war nicht unterirdisch.

Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © Schlaf

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