Zehntausende Kunden in der Warteschlange

„Gewaltiger Kundenansturm“ nach MVV-Tarifreform: So groß ist das Chaos wirklich

+
Am S-Bahn-Kundencenter standen die Kunden besonders zum Start des neuen Tarifs lange Schlange.

Einen „gewaltigen Kundenansturm“ verzeichnete der MVV nach der Umstellung auf den neuen Tarif. Lange Wartezeiten waren an der Tagesordnung. Noch immer läuft nicht alles glatt.

  • Am 15. Dezember trat die MVV-Tarifreform für München und den Großraum in Kraft.
  • Es war die größte MVV-Tarifreform seit 20 Jahren.
  • Die Kundencenter erlebten einen wahren Ansturm.

München - Seit zwölf Wochen gilt er: der neue MVV-Tarif. Über viele positive Reaktionen, aber auch Pendler-Frust haben wir seitdem berichtet, eine erste Bilanz des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds zeigt nun aber: So groß ist das Chaos wirklich! Am extremsten zeigte es sich an den Kundencentern von S-Bahn/Bahn und MVG: Hier mussten an Spitzentagen über 10 .000 Kunden beraten werden!

„Einen gewaltigen Kundenansturm“ hatten die Mitarbeiter in den Kundencentern an den Bahnhöfen Haupt- und Ostbahnhof und Marienplatz zu bewältigen, berichtet der MVV. Trotz personeller Aufstockung und der Mobilisierung „aller verfügbaren Kräfte“ habe es lange Wartezeiten gegeben. Inzwischen habe die Nachfrage nachgelassen, nachmittags sei es aber nach wie vor noch „voll“. Zu Wochenanfang und -ende sei die Nachfrage am höchsten.

MVV-Tarifreform: Es kommt immer noch zu „längeren Bearbeitungszeiten“

Auch wer sich nicht persönlich im Kundencenter beraten ließ, sondern schriftliche Fragen hatte, musste (und muss) gute Nerven haben: „Bei schriftlichen Anfragen kommt es im Kundenservice der MVG derzeit noch zu längeren Bearbeitungszeiten“, meldet der MVV. „Fahrgästen wird deswegen empfohlen, sich telefonisch an die MVG zu wenden (MVG-Hotline: 0800/ 344 22 66 00, Hotline des MVG-Abo-Centers: 0800/ 344 22 66 11). Am besten montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr anrufen: Dann kommt man „am besten durch“, rät die MVG.

So groß das Lob für eine Vereinfachung der Tarife war – dennoch kamen zig Bahn- und MVG-Kunden mit den neuen Zonen und Preisen zunächst nicht zurecht. „In den Wochen nach Einführung des neuen Tarifsystems kam es des Öfteren zu Fehlkäufen, weil viele Fahrgäste mit der neuen Zonen-Systematik noch nicht vertraut sind“, so der MVV. Hagelte es reihenweise Bußgelder, weil die Leute quasi „schwarz“ unterwegs waren? MVG-Sprecher Matthias Korte sagt: Nein. „MVG und S-Bahn haben in den ersten Wochen selbstverständlich mit besonderem Augenmaß kontrolliert.“ Man habe „Nachsicht walten lassen“.

MVV-Servicetools sollen im Tarif-Dschungel helfen

Der MVV weist nun noch einmal auf alle Service-Tools hin, die im Tarif-Dschungel helfen: der MVG-Ticketfinder, der MVV-TarifCheck und die Apps „MVG-Fahrinfo“, „München Navigator“, „MVV-App“ oder „DB Navigator sowie alle Infos auf www.mvv-muenchen.de/tarifreform.

MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch zieht insgesamt übrigens eine positive Zwischenbilanz. „Insgesamt ist die Tarifreform sehr positiv aufgenommen worden.“ So sei die Zahl der Abo-Verträge für die IsarCard, die IsarCard65 und die IsarCardJob um knapp sechs Prozent, also gut 19.000 Verträge angestiegen.

CSU-Forderung: Kostenlose Kurzstrecke

Kostenfrei auf der Kurzstrecke – das fordert die CSU. Die Fraktion hat am Freitag ein vierteiliges Antragspaket vorgestellt. Darin heißt es, dass die Kurzstrecke bei Bus und Tram zum nächsten Tarifwechsel kostenlos angeboten werden soll. 

Insbesondere für ältere Menschen bringe es eine finanzielle Entlastung, wenn sie ihre täglichen Besorgungen oder auch Arztbesuche im Wohnumfeld tätigen können, heißt es in der Begründung. Weiter fordert die Union, der MVV soll für Neukunden einen Monat kostenlos ein Abo zur Verfügung stellen. Beantragt wird überdies, dass Abokunden am Wochenende eine weitere erwachsene Person auf ihrem Abo in allen Verkehrsmitteln im Raum München kostenlos mitnehmen dürfen. Zudem soll die Stadt mit einschlägigen Anbietern von Pendler-Apps kooperieren, um das Angebot der Apps breiter zu streuen. OB-Kandidatin Kristina Frank: „Wir brauchen endlich einen MVV-Boom mit Wucht. Einen Einstieg zum Umstieg!“

Mit der MVV-Reform gab es einige Neuerungen für Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel. Doch beim bargeldlosen Zahlsystem ist es zu einem für Kunden folgenschweren Fauxpas gekommen.

Die MVV-Tarifreform hat viele Gewinner – aber auch einige Verlierer. Erst nach und nach kommen gewisse Fallstricke der Umstellung ans Tageslicht.

Andrea Stinglwagner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Reiter gegen Frank: Wahlen im Ausnahmezustand
Reiter gegen Frank: Wahlen im Ausnahmezustand
Stichwahl in München 2020: Ergebnis vollständig ausgezählt - Dieter Reiter bleibt OB
Stichwahl in München 2020: Ergebnis vollständig ausgezählt - Dieter Reiter bleibt OB
Umbau am Hauptbahnhof hat Folgen für Tram-Verkehr: Mit diesen Einschränkungen müssen Sie rechnen
Umbau am Hauptbahnhof hat Folgen für Tram-Verkehr: Mit diesen Einschränkungen müssen Sie rechnen
Mega-Projekt am Sendlinger Tor: Erster Blick in den neuen U-Bahnhof
Mega-Projekt am Sendlinger Tor: Erster Blick in den neuen U-Bahnhof

Kommentare