Verspätungen als Folge

S-Bahn: Immer mehr Menschen auf dem Gleis

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Sie spazieren zu Hunderten über die Gleise, um Abkürzungen zu nehmen oder mit angetrunkenem Übermut – das sorgt für Verspätungen und Stillstand

München - Immer mehr Menschen laufen auf die Gleise. Heuer gab es schon mehr als 300 solcher Fälle! Die Folge: Verspätungen bei der S-Bahn. Die Bahn will aber keine neuen Zäune bauen.

Die S-Bahn lässt immer länger auf sich warten: Jetzt sank die Pünktlichkeit auf 90,1 Prozent, der mieseste Wert seit Messbeginn vor zwei Jahren. Gestern erstattete S-Bahn-Chef Bernhard Weisser Bericht im Rathaus und warnte: Immer mehr Menschen laufen auf die Gleise!

Statistik zur Pünktlichkeit der S-Bahn (vergrößern)

Die Zahlen steigen eindeutig: 2011 gab es 237-mal „Personen im Gleis“, wie der Alarm offiziell heißt. 2012 stieg die Zahl auf 262. Heuer erwartet der S-Bahn-Chef schon 300-mal Probleme bis hin zum kompletten Stillstand, weil irgendwo jemand auf den Schienen herumturnt. Und die Pendler stehen sich in den Waggons die Füße platt. Dazu kommt die Zahl der Notarzteinsätze, die laut Bahn allein in den letzten beiden Monaten bei 50 lag!

Nur 25 Euro Bußgeld für Gleisläufer

Der S-Bahn-Chef ärgert sich über die Gleisgeher: „Das ist ein Verfall der Disziplin“, sagt Weisser. „Es gibt ein mangelndes Gefährdungsbewusstsein.“ Manche unterschätzen offenbar, wie leise eine S-Bahn fährt, oder denken sich: Der Zug wird schon noch bremsen. Der für das Gleisnetz zuständige Erich Brzosa ergänzt: „Die Leute sind auch zu faul, um die Unterführung zu nutzen – zum Beispiel in Feldmoching.“

Für die Bundespolizei heißt es dann meist Blaulicht-Alarm! „Wir haben die Devise alles Erdenkliche zu tun, um Leben zu retten“, sagt Sprecher Wolfgang Hauner. Die Beamten gehen selbst ins Gleis, um nach den Personen zu suchen. Regelmäßig rückt der Hubschrauber aus, nachts ist die Wärmebildkamera an. Erst wenn die Beamten guten Gewissens den Verkehrs wieder freigeben können, rollen die S-Bahnen an. Erwischen sie den Gleisläufer, gibt’s 25 Euro für die Ordnungswidrigkeit. Als Straftat wird gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr gewertet, dann drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Hausgemachte Verspätungen um drei Prozent gesunken

Weisser betonte, wie viel die Bahn tut, um die Pünktlichkeit zu verbessern – neues Stellwerk, schnellere Abfertigung. So sei der Anteil der hausgemachten Verspätungen von 23 auf 20 Prozent gesunken.

Zäune gegen die Gleisläufer will die Bahn nicht bauen. Das sei zu teuer, und sie würden oft niedergetreten, aber man könne der Stadt dabei helfen. Das empört das Baureferat und auch die CSU, weil allein die Bahn zuständig sei. „Sie kaufen ihre Zäune doch nicht im Ausverkauf!“, ärgerte sich Stadtrat Georg Kronawitter. An der neuen Grundschule im Hirschgarten hat die Stadt sogar selbst einen Zaun gebaut: Seitdem gibt’s bei der Polizei keine Meldungen mehr.

David Costanzo

So gefährlich sind die Ausflüge auf die Schiene

Er wollte auf Gleis heimlaufen: 

Der Schüler (19) wollte wohl vom Jugendcafé Kirchheim heim nach Zorneding – jedenfalls lief er entlang der Gleise der S2. Kurz vor zwei Uhr nachts geschah das tödliche Drama bei Heimstetten: Die S-Bahn Richtung Erding überfuhr ihn. Der Bursche hatte Alkohol getrunken, das spielt bei Gleisläufern gelegentlich eine Rolle.

Im Alkohol gestürzt:

Auch hier war nach einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier wohl Alkohol im Spiel: Auf dem Heimweg stürzte der 20-jährige Lukas K. am Isartor ins Gleisbett. Die nächste S-Bahn konnte nicht mehr bremsen. Der tödliche Unfall des Fußballspielers versetzte den ganzen Heimatort Göggenhofen bei Aying unter Schock.

Zaun niedergetrampelt:

Die Erwachsenen gehen buchstäblich mit schlechtem Beispiel voran – und die Kinder verunglücken: Am S-Bahnhof Perlach liefen Anwohner und Pendler seit Jahren über die Gleise, der Zaun ist komplett niedergetrampelt! Dann entwischte eine 2-Jährige aus der nahen Kita mit dem Bobbycar, wurde erfasst und musste ins Krankenhaus.

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