Via Twitter zum Internet-Hit

„Verspätungsschal“ im Internet versteigert - mit dieser Summe hatte wohl keiner gerechnet

+
Hier beginnt Claudia Webers täglicher Weg zur Arbeit: Vom Bahnhof Moosburg aus geht es für die Mutter nach Moosach.

Eine Pendlerin hat per selbst gestricktem Schal die Verspätungen der von ihr genutzten Züge dokumentiert. Jetzt wurde er für eine unglaubliche Summe versteigert.

Update vom 15.01.2019: 2019 kommt der nächste „Verspätungs-Schal“

Erst war es nur ein Schal, dann wurde er zum Hit im Internet. Und nun hat er auch noch einen Wahnsinnspreis erzielt: Der „Verspätungsschal“, den Pendlerin Claudia Weber (55) gestrickt hat, um die Unpünktlichkeit der Bahn zu dokumentieren, ist bei Ebay für 7550 Euro versteigert worden. „Ich bin einfach sprachlos. Ich freue mich sehr“, sagt Weber. 

Das Höchstgebot wurde am Montagabend abgegeben. Von wem, ist nicht bekannt. „Ob das eine Privatperson oder eine Organisation ist, weiß ich nicht“, so Weber zur tz. Den Erlös will die Sachbearbeiterin der Bahnhofsmission an Gleis 11 des Hauptbahnhofs spenden. „Weil die sich dort so toll um Gestrandete und Hilfesuchende kümmern.“ „Wir würden uns über die Spende sehr freuen“, betonte Missions-Chefin Barbara Thoma. 2018 habe es 112 000 Besuche im Aufenthaltsraum der Mission gegeben, im Schnitt 77 Beratungen am Tag. „Das ist eine Steigerung von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr und spiegelt die soziale Situation in München wider.“

Den 1,50 Meter langen Schal hatte Weber, die täglich mit der Regionalbahn von Moosburg nach Moosach zur Arbeit fährt, im vergangenen Jahr gefertigt. Jeden Tag strickte sie zwei Reihen und nahm dafür unterschiedliche Farben: bei weniger als fünf Minuten Verspätung graue, bei fünf bis 30 Minuten rosafarbene und bei einer Fahrt, die mehr als eine halbe Stunde verspätet war, rote Wolle. Ihre Tochter postete ein Foto des Schals auf Twitter – und löste damit binnen weniger Stunden begeisterte Reaktionen aus. 

Sogar der britische Guardian widmete dem „German train-delay scarf“ einen Artikel. Ob nun auch die Bahn Webers Wunsch nachkommt – „ein bisschen mehr Geld investieren, damit der Service funktioniert“ –, bleibt abzuwarten. So oder so: Auch 2019 will Weber wieder einen Verspätungsschal stricken.

Update vom 14.01.2019: „Verspätungsschal“ für auf Ebay versteigert - für enorme Summe

Der Schal, den Claudia Weber strickte, um die Verspätungen de Deutschen Bahn zu dokumentieren, ist am Montagabend zum Höchstgebot von 7550 Euro versteigert worden. Der 1,50 Meter lange Schal ging bei dem Online-Auktionshaus ebay über die virale Ladentheke.

Mit einem Twitter-Post des Schals hatte die Tochter von Claudia Weber einen Internet-Hit ausgelöst. Sogar der britische „Guardian“ widmete dem „German train-delay scarf“ einen Artikel. Der Erlös aus der eBay-Versteigerung soll nun zugunsten der Bahnhofsmission gespendet werden.

Originalmeldung vom 08. Januar 2019

München - Dauernd Verspätung - man könnt sich in die sprichwörtliche Wolle kriegen mit der Bahn! Oder man könnte echte Wolle benutzen und ein einmaliges Dokument des Pendler-Ärgers herstellen. Claudia Weber hat Letzteres getan - rausgekommen ist der Verspätungsschal der Bahn in München! Das  einzigartige Kleidungsstück wurde in den vergangenen zwei Tagen zu einem Internet-Hit…

Claudia Weber (55) pendelt seit über 25 Jahren mit der Regionalbahn zwischen Moosburg und Moosach. 40 Minuten hin, 40 Minuten zurück. So sollte es eigentlich sein, zumindest nach Fahrplan. Weber sagt aber: „Es kam mir so vor, als würde die Bahn ständig zu spät kommen.“

Lesen Sie auch: Gruppe junger Männer prügelt in U-Bahn auf Münchner (45) ein - Polizei sucht Zeugen

Jeden Abend zwei Reihen Schal gestrickt

Um das zu überprüfen, setzte sich die Sachbearbeiterin ab dem 2. Januar 2018 jeden Abend auf ihr Sofa und strickte. Immer fünf Minuten lang, zwei Reihen pro Tag.

Ihr System: Graue Wolle bedeutet, dass der Zug pünktlich war - Weber tolerierte bis zu fünf Minuten Verspätung. Rosa heißt: fünf bis 30 Minuten zu spät. Und rot bedeutet eine Verspätung auf beiden Fahrten - oder dass der Zug mehr als 30 Minuten zu spät kam.

Ein Unikat: Diesen Verspätungsschal hat Claudia Weber angefertigt.

Baustelle während Sommerferien sorgt für Ärger

Das Schal-Jahr beginnt ganz ordentlich: Da sehen wir relativ viel Grau. Dann kommt aber ein dicker, roter Balken in den Sommerferien. „Ich war im Sommer täglich vier bis fünf Stunden unterwegs“, erinnert sich Weber. Grund war eine Baustelle auf der Strecke, sie musste auf den Schienen­ersatzverkehr zurückgreifen. „Ich dachte, danach würde es besser werden.“ Aber je röter der Schal wurde, desto mehr Ärger und Frustration kamen bei Claudia Weber auf.

Kommt diese Woll-Statistik tatsächlich hin? Die Bahn bestätigt auf tz-Anfrage Verspätungen, würde aber den roten Streifen während der Sommerferien gern auftrennen. „Die Strick-Idee ist bezaubernd“, sagt ein Bahn-Sprecher, „aber das Rot will ich in der Zeit nicht gelten lassen. Während der Baustelle hatten wir nämlich einen abweichenden Fahrplan.“

In den sechs Wochen wurden Schienen ausgetauscht, um das Verkehrsnetz zu stabilisieren. „Was den Rest des Schals angeht: Da sind wir dabei, und toll finden wir das auch nicht“, sagt er. „Wir würden der Frau gerne mehr graue Wolle spendieren.“

In unserem News-Ticker halten wir Sie über alle Beeinträchtigungen im S-Bahn-Verkehr auf dem Laufenden.

Lesen Sie auch: Mann bedrängt 18-Jährige am Gleis massiv - sie kann in die S-Bahn flüchten

Kaufen und helfen

Wen wird der Verspätungsschal in Zukunft wärmen? Das steht noch nicht fest. Denn Claudia Weber will das Kleidungsstück im Internet bei ebay unter „Verspätungsschal“ versteigern. Der ­Erlös ist dann für ­einen guten Zweck gedacht. „Ich spende das Geld an die ­Bahnhofsmission“, sagt Weber.

So hätten dann all die verlorenen Stunden des vergangenen Jahres und die sechs Knäuel Wolle einen Sinn gehabt. „Eine gute Sache, die Menschen hilft und in Verbindung mit der Bahn steht“, findet Weber. Die Bahnhofsmission ­bietet Menschen in ­Notlagen Unterstützung, Begleitung und Vermittlung an.

Kathrin Braun

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchnerin (33) geht Treppenhaus hinauf - Plötzlich steht ein junger Mann hinter ihr, dann wird es übel
Münchnerin (33) geht Treppenhaus hinauf - Plötzlich steht ein junger Mann hinter ihr, dann wird es übel
Bekanntem Kaufhaus droht der Abriss – Mitarbeiterin: „Ich habe gehört, dass ...“
Bekanntem Kaufhaus droht der Abriss – Mitarbeiterin: „Ich habe gehört, dass ...“
Kündigung nach 40 Jahren: Münchnerin (69) soll Wohnung verlassen: „Kommt mir immer aussichtsloser vor“
Kündigung nach 40 Jahren: Münchnerin (69) soll Wohnung verlassen: „Kommt mir immer aussichtsloser vor“
Stadt macht Drohung wahr: Obdachlosenlager in der Isarvorstadt geräumt 
Stadt macht Drohung wahr: Obdachlosenlager in der Isarvorstadt geräumt 

Kommentare