1. tz
  2. München
  3. Stadt

MVV-Reform: Stadtrat gibt Geld - Freistaat will Billig-Ticket schon 2021

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sascha Karowski

Kommentare

null
Bald weniger Tarifzonen: An Münchens Fahrhartenautomaten wird man sich ab Dezember besser zurechtfinden. © Schlaf

Der Stadtrat hat gestern die Finanzierung der MVV-Tarifreform genehmigt. Der Freistaat arbeitet derweil an einer Umsetzung des 365-Euro-Tickets für den ÖPNV. Die Karte soll 2021 als erstes für Schüler und Auszubildende eingeführt werden. Die Münchner würden bei dem Billig-Ticket gerne aufs Gas drücken.

Am Ende wird alles gut, und wenn nicht alles gut wird, dann ist es nicht das Ende. Mit den Worten des irischen Schriftsteller Oscar Wilde begann Simone Burger (SPD) im Wirtschaftsausschuss ihre Ausführungen zur Tarifreform des Münchner Verkehrsverbundes (MVV). Der Stadtrat stimmte der Finanzierung gestern zu. Maximal 28,35 Millionen Euro wird die Stadt ab 2020 für drei Jahre in die Reform stecken. Die Umstrukturierung gehe insgesamt sehr gut voran, sagte Burger. „Es ist aber noch nicht alles gut.“

Wie berichtet, soll die Reform des MVV-Tarifs einige Verbesserungen bringen. Aus den aktuellen 16 Ringen, vier Zonen und drei Räumen werden nun einheitlich für nahezu alle alle Tickets sieben Tarifzonen. In der Mitte, in München, gilt ab Dezember eine Zone M. Sie ersetzt die bis dahin gültigen vier Kreise und erstreckt sich mindestens bis zum Münchner Autobahnring A99. Das Ticket für die Zone M kostet 55,20 Euro. Zudem wird beim Seniorenticket die Altersgrenze wird auf 65 Jahre angehoben. Die derzeit geltende Sperrzeit zwischen 6 und 9 Uhr entfällt allerdings.

Auf Antrag der SPD beschloss der Ausschuss zudem, dass ein gemeinsames 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende bereits zum Herbst 2020 eingeführt werden soll. Nach Informationen unserer Zeitung bereitet der Freistaat die Umsetzung des günstigen Schüler-Tickets für 2021 vor, entweder für Herbst oder schon im Frühjahr.

Wie berichtet, müssen der Freistaat, die Stadt und die Landkreise Ticketvergünstigungen gemeinsam finanzieren. Würde München beispielsweise ein günstiges stadtweites Schüler-Ticket im Alleingang einführen, müsste die Kämmerei wegen der zu erwartenden Einnahmeausfälle pro Jahr weitere 43 Millionen Euro investieren. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft rät daher ab. Das sieht auch Burger so. Zudem führe der Alleingang auch zu nichts. „Die Schüler und Auszubildenden wohnen ja nicht alle in München.“

Brigitte Wolf (Linke) missfiel, dass bei der Reform viel zu wenig über das Sozialticket gesprochen wurde. „Ich möchte darum bitten, dass man dann bei der nächsten Verhandlungsrunde mit den Kosten runtergeht. Gerade diese Menschen haben Entlastung nötig.“

Die Grünen kritisierten indes, dass den Wahlkampf-Versprechungen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nur schleppend Taten folgten. „Das finden wir politisch schwach“, sagte Fraktionschefin Katrin Habenschaden. Söder hatte ein generelles Ticket für 365 Euro ins Spiel gebracht. Habenschaden: „Daran sollten wir festhalten, das Konzept ist eingängig, man fährt für einen Euro am Tag.“ Die Grünen forderten in einem Antrag, der Finanzierung der Reform lediglich zuzustimmen, wenn zumindest das 365-Euro-Ticket für Jugendliche bereist 2020 eingeführt wird. Der Vorstoß fand keine Mehrheit. Münchens Zustimmung zur Reform an diese Bedingung zu knüpfen, sei Unsinn, sagte Burger. „Die Grünen stellen damit die ganze Reform in Frage.“

„Auch wir nehmen den Ministerpräsidenten beim Wort“, sagte Richard Quaas (CSU). „Wir gehen davon aus, dass der Einstieg noch in dieser Legislaturperiode gelingt.“ Und Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) sah gerade in der Kooperation mit den umliegenden Landkreisen den Gewinn dieser Reform. „Die Verkehrsproblem in München werden von den vielen Pendlern verursacht. Da ist es gut, die Landkreise mit im Boot zu haben.“

Auch interessant

Kommentare

Mehr zum Thema