Wird Fahren mit "den Öffentlichen" zum Luxus?

MVV zeigt bei Ticketpreisen kein Herz für Senioren

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Zu Fuß aufs Oktoberfest, statt mit der U-Bahn bis Theresienwiese zu fahren? Für manche Bewohner in München eine Frage des Geldes.

München - Viele Senioren kommen eh kaum mit ihrem Geld hin – und nun das! Die teuren Seniorentickets des MVV werden jetzt noch teurer. Wird das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln in München zum Luxus?

Die teuren Seniorentickets des MVV – jetzt werden sie also noch teurer. Groß berichtete die tz am Wochenende über den neuen Preisschock: 2,6 Prozent mehr müssen ältere Münchner nun für die Monats- oder Jahreskarte hinlegen (Gesamt-Durchschnitt plus 2,8 Prozent). Am Montag meldete sich der Seniorenbeirat der Stadt zu Wort – und ist stinksauer: „Das darf doch nicht wahr sein“, so Chefin Ingeborg Staudenmeyer. „Viele Senioren kommen eh kaum mit ihrem Geld hin – und nun das!“ Eigentlich habe man gehofft, dass die Preise für über 60-Jährige sinken würden. Denkste! Zur Erklärung: Satte 441 Euro kostet die Isarcard60 bald für Senioren – bisher waren es noch 429 Euro. Und für die Monatskarte muss man in Zukunft 46,60 Euro hinlegen – anstatt der jetzigen 45,40 Euro. Preise, bei denen auch Herbert Stubner von der Seniorenvertretung Sendling-Westpark nur den Kopf schütteln kann.

"Hatten gehofft, dass es heuer zumindest keine Erhöhung mehr gibt"

„In München gibt es viele Rentner, die nach Abzug der Miete mit 300 Euro oder gar weniger auskommen müssen. Da sind solche Erhöhungen unsozial und beschämend“, schimpft der 68-Jährige. Zudem schneide man so die älteren Bürger völlig vom sozialen Leben ab. „Da kann sich der eine oder andere gar nicht mehr leisten, irgendwo hinzufahren.“ Auch dass die Seniorenkarte vor neun Uhr nicht benutzt werden darf, stinkt Stubner: „Viele Menschen müssen um acht zum Arzt – nicht später.“

Auch Seniorenbeirätin Waltraud Hörnchen (68) aus Ober­sendling kann die Preiserhöhung nicht nachvollziehen: „Die Renten steigen nicht, das Leben in der Stadt wird immer teurer – und dann will der MVV auch noch mehr von den älteren Bürgern. Wir hatten gehofft, dass es heuer zumindest keine Erhöhung mehr gibt.“ Besonders nachdem OB Dieter Reiter im Juni in der tz versprochen hatte, alles zu versuchen, um die „Tarife sozialer“ zu gestalten. Keine Frage, die Zeit wäre dazu reif gewesen. Tatsache ist, dass ein Rentner-Ehepaar bald 882 Euro für zwei Jahreskarten zahlen müsste. „Das können sich viele nicht leisten“, merkt Waltraud Hörnchen an. „Jede andere Behauptung ist weltfremd.“

Wird das regelmäßige S- und U-Bahn-Fahren in unserer Stadt bald zum Luxus? Für viele ist es das laut Senioren-Experten schon. Und dabei geht es in einigen europäischen Ländern und Städten viel billiger – teils fahren Senioren dort sogar umsonst (siehe Text rechts). Ein Fakt, der auch Ingeborg Staudenmeyer nervt: „Hier sollte auch München endlich zum Vorbild werden. Oder dürfen hier bald nur noch steinreiche junge Menschen leben?“ Sie werde an dem Thema dranbleiben. „Wir geben noch lange nicht auf!“

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