Preiserhöhung um fünf Prozent geplant

MVV-Tickets teurer? OB Reiter zieht die Preisbremse

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Oberbürgermeister Dieter Reiter (r.), hier mit MVG-Chef Herbert König.

München - Am Wochenende hatte OB Dieter Reiter (SPD) sich nicht zum drohenden Preis-Schock beim MVV äußern wollen, jetzt spricht er Klartext.

„Eine Preiserhöhung von fünf Prozent bei MVV und MVG kann und will ich mir nicht vorstellen.“ Dieser Rekord-Anstieg steht zur Debatte (tz berichtete) – Fahrgastverbände und Passagiere sind empört. Doch jetzt zieht Reiter die Preisbremse!

Ein Machtwort – denn der OB fungiert als Vorsitzender der MVV-Gesellschafter Freistaat, Stadt und MVV-Landkreise sowie des Verbundrats, in dem auch die Verkehrsbetriebe vertreten sind. Jetzt laufen die Drähte bis zur Entscheidung am 19. September heiß. „Die Verunsicherung muss vom Tisch! Ich habe das Wirtschaftsreferat gebeten, Vorschläge zu erarbeiten, wie eine vernünftige und maßvolle Preiserhöhung aussehen kann“, sagt Reiter und meint damit seinen Vize Josef Schmid (CSU). Auch der findet mittlerweile Worte: „Stadt und Land werden in den nächsten Jahren beträchtlich in Ausbau und Modernisierung des Nahverkehrs investieren, deswegen ist für mich eine Preiserhöhung nachvollziehbar. Die muss aber maßvoll ausfallen.“

Beim MVV droht ein Preis-Schock: S-Bahn und MVG mit U-Bahn, Bus und Bahn brauchen zum Fahrplanwechsel im Dezember drastische Erhöhungen – von fünf Prozent und mehr. „Es wird kein Weg an einer deutlichen Fahrpreis-Anpassung vorbeiführen“, sagte MVG-Chef Herbert König der tz. Die S-Bahn benennt die gleichen Ursachen: Mit Semesterticket und Monatskarten mit gleitender Gültigkeit sinken die Einnahmen, während die Kosten für Strom und Personal steigen.

Die Fahrgastverbände sind geschockt: „Ein gefährliches Spiel“, sagt Norbert Moy, Oberbayern-Vorsitzender von Pro Bahn. Schließlich könnten Pendler auch wieder aufs Auto umsteigen. Dominik Lypp vom Bund Naturschutz verweist auf Wien, wo die Jahreskarte auf 365 Euro ermäßigt wurde – ein Euro pro Tag. Beim MVV kostet die Innenraum-Jahreskarte 678 Euro. Berthold Maier vom Arbeitskreis attraktiver Nahverkehr hält einen Anstieg nur für gerechtfertigt, wenn Angebot und Zuverlässigkeit stimmten – die aber seien „überschaubar“.

Alle sind sich einig: Eine Zwei vor dem Komma muss reichen! Und sie fordern mehr Steuergeld für den Nahverkehr – U-Bahn-Bau, Erhalt der Röhren und neue Schienen könnten ohnehin nicht über die Tickets finanziert werden.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

Münchens schönste U-Bahnhöfe

Keine Alternative

David Bauer (26), Mechatroniker, Pasing: "Dannwird ja meine Monatskarte teurer! Ich finde das zwar nicht gut, aber verständlich. Eine Alternative zur S-Bahn gäbe es für mich auch nicht, da ich in der Innenstadt mit dem Auto keine guten Parkmöglichkeiten habe."

Lieber günstiger

Elena Oance (35), Kellnerin, München: "DerMVV hat doch erst die Preise erhöht! Wenn noch eine Erhöhung ansteht, wird es zu teuer. Ich habe keine andere Möglichkeit als mit der U-Bahn zu fahren. Wenn ich könnte, würde ich eine günstigere Alternative suchen."

Anderswo viel billiger

Markus Graßl (32), Musiker, München: "Die U-Bahn in München ist jetzt schon viel zu teuer. Ich vermeide es, sie zu benutzen, da die Preise unverschämt sind. Andere Städte sind preiswerter. Man sollte mehr an die Umwelt denken und die Fahrpreise nicht überteuern."

David Costanzo, Nina Farr

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