Kommen die Zonen 2018 weg?

Der MVV will jetzt die Tarifreform

München - Tarifdschungel MVV! 26 verschiedene Ticketarten gibt es in und um München. Zum Vergleich: Nürnberg kommt mit 16 aus. Fahrgastverbände kritisieren das seit Langem. Nun reagieren Stadt, Freistaat und die Landkreise.

Das Ticketsystem soll nicht nur entschlackt werden. Künftig soll jeder auch nur noch das zahlen, was er tatsächlich fährt.

Wer heute täglich vom Hauptbahnhof zum Georg-Brauchle-Ring pendelt, zahlt fürs Monatsticket 62,20 Euro (Ringe 1 bis 3). Und damit mehr, als jemand, der vom Hauptbahnhof an den Westfriedhof fährt (51,60 Euro). Das Absurde daran: Beide Stationen liegen nur wenige Meter entfernt.

Noch krasser ist es außerhalb der Stadtgrenze: „Wenn ich in Vaterstetten ein Ticket löse, zahle ich vier Ringe. Die nächste Station ist Haar, da kostet es nur zwei. Das muss man sanfter entwickeln“, sagt Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß, der gleichsam Sprecher aller acht MVV-Landkreise ist.

Um derlei kleine Ungerechtigkeiten geht es nun: Zonen, Streifen, Ringe – Stadt, Freistaat und Landkreise haben sich auf eine Reform verständigt und eine Studie in Auftrag gegeben. Ziel ist Deutschlands modernstes Tarifsystem, sagt Niedergesäß.

Aussehen könnte es dann so: Wer wo in ein MVV-Gefährt einsteigt wird ebenso elektronisch erfasst, wie der Ort des Ausstiegs. Das ist heute alles elektronisch möglich – etwa via App auf dem Smartphone. So könnte übers Handy die Abrechnung erfolgen. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund ist unlängst ein Feldversuch beschlossen worden. Dort wird eben dieses System getestet: Es gibt einen Grundpreis und eine Abrechnung für die gefahrenen Kilometer. Wie beim Taxi.

Nun hat der MVV eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben – um Möglichkeiten auszuloten. Kostenpunkt: 150 000 Euro. Die teilen sich Stadt, Freistaat und Kreise. Vergeben werden soll im Frühjahr, Ergebnisse werden Ende nächsten Jahres erwartet. „Erste Maßnahmen könnten schon 2018 greifen“, sagt Niedergesäß. „Das ist sportlich!“

„Und es ist komplex“, sagt MVV-Chef Alexander Freitag. Denn: Zu klären sind datenschutzrechtliche Fragen. Aber auch, wie weiterhin ein herkömmlicher Ticket-Erwerb möglich ist – für Kunden, die kein Smarthone haben.

Wie MVG, MVV, Stadt und Landkreis die Reform einschätzen, zeigt die tz auf dieser Seite. 

Was muss sich im neuen System ändern?

Einfach und gerecht

„Das neue Tarifsystem soll einfach und gerecht sein, aber das steht auch in Konkurrenz. Im Pariser System zahlt jeder das gleiche, egal wie weit er fährt. Aber gerecht ist das nicht. Das gilt es zu untersuchen, wie man das bewerkstelligen kann.“ MVV-Chef Alexander Freitag

Augenmaß

„Im Interesse der Fahrgäste darf es nicht sein, dass wir künftig mehr Geld für den Ticketverkauf ausgeben statt für möglichst viele Bus- und Bahnfahrten. Deshalb: Ja zu einer Tarifreform, aber Verbesserungen mit Augenmaß.“

MVG-Chef Herbert König

Sozialticket

„Man muss auch prüfen, wie ein verbundweites Sozialticket funktionieren kann. Für Senioren und Jugendliche tun wir schon sehr viel. Aber auch Menschen mit schwachem Einkommen müssen öffentlich fahren können.“

Robert Niedergesäß

Sprecher MVV-Landkreise

Status verbessern

„Ich möchte, dass untersucht wird, wie es für bestimmte Personengruppen, wie zum Beispiel Rentner mit geringem Einkommen, Verbesserungen erzielen können. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Status Quo verbessern können.“ 

OB Dieter Reiter (SPD)

Sascha Karowski

Rubriklistenbild: © Jantz

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