Expansion wegen Pendlern

Wo MVV-Tickets künftig gelten sollen

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Gelten MVV-Fahrkarten künftig auch in Wasserburg oder Landsberg?

München - Der Münchner Verkehrsverbund will 40 Jahre nach der Gründung sein Tarifgebiet erweitern. In Wasserburg, Landsberg und Landshut sollen, so das Ziel, MVV-Fahrkarten gelten.

MVV-Geschäftsführer Jan Freitag hat eine Vision: ein MVV-Gebiet, das weit über den jetzigen Raum hinausgreift, Rosenheim und sogar Augsburg umschließt, dazu Landshut und Landsberg. „Die Frage der Verbunderweiterung gehört zu den interessantesten strategischen Ansätzen überhaupt“, sagte Freitag unserer Zeitung. Innerhalb des jetzigen Tarifgebiets, so hat der MVV festgestellt, lassen sich kaum noch Zuwächse erzielen – es gibt kaum noch zusätzliche Pendler, die vom Auto in die Bahn umsteigen könnten. „Hingegen bietet der Verbundgrenzen überschreitende Verkehr noch Potenzial“, heißt es in einem Bericht zu Erweiterungsplänen. Nicht nur für Berufspendler, sondern auch im Freizeitverkehr („größte Steigerungsraten“) sei das interessant.

An der Spitze der Berufspendler in den MVV-Raum steht Rosenheim mit zuletzt 16.200 Pendlern täglich – davon 9000 in die Stadt München. Sie müssen in der Regel doppelt zahlen: zum einen eine Fahrkarte der Deutschen Bahn, zum zweiten (sofern sie vom Münchner Hauptbahnhof noch weiter fahren) eine MVV-Fahrkarte. Ähnlich ist es in Stadt und Landkreis Landshut mit täglich über 14.000 Pendlern sowie Augsburg mit täglich 13 600 Pendlern. Ziel müsse es sein, eine vertiefende Untersuchung zur Verbunderweiterung in Auftrag zu geben, sagte Freitag. Dies solle „zeitnah in diesem Jahr“ geschehen. Freilich beginnen hier auch schon die Probleme: Freitag muss Türklinken putzen – das heißt die Landkreise und die Stadt München als MVV-Gesellschafter abklappern, um Geld für die Untersuchung bewilligt zu bekommen.

Am realistischsten ist eine MVV-Erweiterung derzeit in Richtung Wasserburg. Für den Kreistag Rosenheim wurde eine Einbeziehung der Region zwischen dem bisherigen MVV-Endpunkt Tulling (östlich von Ebersberg) bis Wasserburg-Bahnhof in den MVV schon einmal durchgerechnet: Für die Pendler würde beispielsweise eine Monatskarte (derzeit 226 Euro) um bis zu einem Drittel billiger. Dagegen stehen die Kosten, die irgendjemand übernehmen müsste: etwa 135 000 Euro jährlich. Denn die Bahn lässt sich die Mindereinnahmen, die infolge der günstigeren MVV-Tarife anfallen, teuer bezahlen. Immerhin: Landrat Josef Neiderhell hat signalisiert, dass der Kreis gesprächsbereit ist. „Im Frühjahr, also April, spätestens Mai, muss diese Frage entschieden werden“, sagt Pressesprecher Michael Fischer. Start könnte im Dezember 2013 sein. Der Landkreis Rosenheim werde auch auf die Stadt Wasserburg zugehen, um über eine Kostenbeteiligung zu verhandeln.

An der Finanzierung sind bis jetzt auch andere Erweiterungspläne gescheitert. „Bei uns liegt das Thema seit drei Jahren auf Eis“, berichtet das Landratsamt Landshut. Stadt und Landkreis Landshut würde ein MVV-Beitritt mindestens jeweils 400 000 Euro kosten. Der Kreistag hat sein Veto eingelegt. Ähnlich die Resonanz aus dem Landkreis Landsberg. Aus der Region gibt es hohe Pendlerzuwächse – in zehn Jahren 25 Prozent. Die Bahnhöfe Utting, Schondorf, Dießen und Kaufering sollen ins MVV-Gebiet. Der Landkreis denkt sogar an eine Express-S-Bahn von Kaufering nach München. Dagegen stehen die Kosten: bis zu vier Millionen Euro jährlich. Als die Kreisräte hörten, dass sie auch noch Fahrkartenautomaten, Schilder und Fahrpläne (eine Million Euro) zahlen sollten, winkten sie ab.

Von Dirk Walter

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