Wild West im Forstenrieder Park

München - Erst hörten sie einen, dann einen zweiten Schuss im Forstenrieder Park. Dann alarmierten ein Förster und ein Jagdpächter die Polizei - und gingen selbst auf Schützen-Jagd.

Nach 25 Jahren Erfahrung als Förster und Jäger kann -Ulrich Dreyer-Eberl (57) Schussgeräusche genau voneinander unterscheiden. Darum war ihm sofort klar, dass hier scharf geschossen wurde. Und so begann am Donnerstag einer der größten Polizeieinsätze, die der Forstenrieder Park je erlebte...

„Ich habe gegen 11 Uhr mit zwei Jagdgästen die neuen Hochsitze begutachtet, als plötzlich in nicht sehr großer Entfernung ein Schuss fiel.“ Zurzeit jedoch ist noch Schonzeit. Außerdem schießt in Dreyer-Eberls Revier niemand ohne sein Wissen - „schon gar nicht vormittags“. Also machte sich der Förster mit seinen Begleitern auf die Suche. An der Alten Olympiastraße neben der Autobahn A 95 entdeckten die Jäger zunächst einen im Gebüsch geparkten blauen VW Golf. Kurz darauf dann der zweite Schuss - diesmal ganz in der Nähe. Im Wald sahen die Jäger einen jungen Mann mit einem Rucksack. Er hatte eine Waffe in der Hand. „Stehen bleiben!“, riefen die Jäger. Der Schütze floh sofort. Dreyer: „An diesem Punkt habe ich die Polizei gerufen. Das wurde uns zu gefährlich.“ .

Die seltsame Waffe des Studenten.

Ein Großaufgebot an Polizei - zuletzt waren es mehr als 60 Beamte mit Hundeführern und Hubschrauberunterstützung - steuerte um 11.50 Uhr das Waldstück Karl Geräumt für eine zweistündige Durchsuchungsaktion an. Keine Spur vom Schützen. Die Kräfte rückten ab. Der blaue Golf aber wurde observiert. Um 15.45 Uhr endlich trat der Gesuchte aus dem Wald, stieg in den blauen Golf und fuhr los. Auf Höhe Kloster Schäftlarn wurde er gestellt. Die Auflösung hat glücklicherweise keinen kriminellen Hintergrund. Es handelt sich um einen Studenten (23) aus dem Westend, der sich aus rein technischem Interesse aus Wasserrohren und Schwarzpulver eine seltsame Donnerbüchse zusammenbaute. Als Munition verwendete er selbstgemachtes Schrot. Die Waffe wurde im Wald gefunden. Der Student muss sich nun wegen diverser jagd- und waffenrechtlicher Verstöße verantworten. Als Ziel diente ihm stets nur ein altes Telefonbuch. Er hatte nach eigenen Angaben schon öfter im Wald geübt und versprach hoch und heilig, fortan die Finger von Waffen zu lassen. Somit herrscht in Förster Dreyers Revier nun wieder die gewohnte Ruhe.

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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