50-Jähriger bricht im Wald leblos zusammen

Mysteriöser Tod beim Joggen

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Nicht erkannte Herzbeschwerden können Joggen lebensgefährlich machen.

München - Er lag auf dem Weg und röchelte nur noch schwach: Spaziergänger fanden am Dienstag im Fürstenrieder Wald in Martinsried einen sterbenden Jogger. Der Notarzt konnte ihn noch einmal reanimieren.

Dann jedoch starb er kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Weil er keinerlei Papiere und auch kein Handy bei sich hatte, weiß die Polizei nicht, wer der etwa 50-Jährige mit der goldenen Rolex-Uhr am Handgelenk ist. Vermutlich lebt er allein. So ist sein plötzliches Verschwinden den Freunden, Kollegen oder Nachbarn nur noch nicht aufgefallen.

Als Todesursache des Sportlers gilt ein Herzinfarkt, der ihn beim Joggen überraschte. Er lag um 16.15 Uhr im Wald auf Höhe der Münchener-/Neurieder Straße. Der Mann ist schlank, hat eine athletische Figur und mittelbraune Haare mit grauen Schläfen und hoher Stirn. Er hat einen dünnen, graumelierten Volbart. Er trug eine blaue Laufjacke, ein North-Face-Shirt und „Asics“-Sportschuhe (Größe 44,5). Das Kommissariat 52 (Tel. 2910-0) bittet um Hinweise.

Erst vor zwei Wochen war Thomas Grosser, Sohn des ehemaligen Fußball-Nationalspielers Peter Grosser, beim Hallen-Fußballtrainig gestorben. Er war erst 42 Jahre alt! Wie gefährlich ist Freizeitsport? Die tz fragte bei Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger nach.

Welche Sportarten sind im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich?

Sportarten wie Segelfliegen sind gefährlich. Denn wer einmal abstürzt, ist wahrscheinlich tot. Ein Sturz beim Joggen ist nicht gleich ein Todesurteil. Trotzdem muss man unterscheiden. Schließlich gibt es Sportarten wie Kegeln und Golf, die statistisch gesehen gefährlich sind. Diese Sportarten üben viele Senioren aus. Somit ist die Sterberate höher. Zudem regt man sich bei Golf und Kegeln schnell auf, und das kann zum Herzinfarkt führen.

Bei welcher Sportart sterben die meisten Menschen?

Fußballer sind die gefährdetsten Sportler. Hier gibt es seit Jahren die meisten Todesfälle. Man darf aber dabei nicht vergessen, dass sehr viele Menschen Fußball spielen. Also ist die Zahl der Todesfälle höher.

Und woran sterben Sportler am häufigsten?

Jung wie Alt an Herz-Kreislaufversagen. Viele ältere Menschen leiden an Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen. Wenn diese Krankheit nicht erkannt wird, ist jede Anstrengung eine Gefahr. Auch junge Sportler mit unerkannten Herzfehlern sind gefährdet sowie Menschen mit einer verschleppten Entzündung.

Sind Extremsportler öfter betroffen?

Im Gegenteil. Jemand der viel Sport treibt, merkt meist sofort, wann Atemnot bedrohlich ist. Jemand, der nur alle vier Wochen laufen geht, überschätzt sich und seinen Körper leichter.

Gibt es Regeln, die beachtet werden sollten, bevor ich Sport treibe?

Jemand, der Sport treiben will, sollte sich vorher beim Arzt untersuchen lassen. Hier wird geschaut, wie belastbar und leistungsfähig er ist. Viele sind konditionell fit, aber wegen einer Erkrankung überhaupt nicht belastbar. Wird das übersehen, wird’s gefährlich. Hat der Sportler erhöhte Temperatur, geschwollene Lymphknoten oder eine ungewöhnlich hohe Herzfrequenz: Finger weg vom Sport!

Wann ist Sport noch gefährlich?

Wenn er zur Sucht wird. Hier sind vor allem junge Frauen und Menschen im mittleren Alter betroffen. Viele fangen langsam an, um Gewicht zu verlieren, Ärger „wegzutrainieren“. Irgendwann kann man nicht mehr ohne Sport, weil Glückshormone ausgeschüttet werden. Man kann aber nicht vor seinen Problemen weglaufen. Zu viel Sport führt irgendwann zur völligen Erschöpfung. Viele rutschen dann in eine Essstörung oder nehmen leistungssteigernde Mittel. Das ist lebensgefährlich!

awl./dop

Quelle: tz

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