Trauer um Chef Inselkammer

Mythos Augustiner: Das Konzept der Kultbrauerei

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Augustiner ist ein Mythos.

München - Die Augustiner-Brauerei trauert um Jannik Inselkammer. Auch ihm vertraut das Unternehmen seinen Erfolg. Die tz geht dem Mythos auf den Grund.

Die Augustiner-Brauerei in Trauer! Erst vor vier Monaten starb Ex-Geschäftsführer Ferdinand Schmid († 88) – jetzt die schockierende Nachricht, dass Brauerei-Chef Jannik Inselkammer in Kanada bei einem Lawinenunglück ums Leben kam. Beide hielten leidenschaftlich die Tradition der Brauerei aufrecht, lebten für ihr Bier. Ihnen hat Augustiner den beispiellosen Erfolg zu verdanken.

Gegründet 1328 von Ordensbrüdern nahe dem Dom, ist Augustiner seit 1829 in privaten Händen: Da kaufte die Brauerei-Familie Wagner den Betrieb und legte den Grundstein für den Mythos Augustiner. Ihre Nachfahrin Edith Haberland-Wagner (starb 1996) bewahrte die Brauerei davor, in die Hände großer Konzerne zu gelangen, indem sie in den 80ern ihr Erbe in eine Stiftung umwandelte und testamentarisch verfügte, dass die Brauerei nie veräußert werden kann. Noch heute hält die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung 51 Prozent der Anteile an der Augustiner-Bräu Wagner KG, Jannik Inselkammer gehörten 35 Prozent.

20 Jahre lang führte Ferdinand Schmid die Brauerei, war auch erster Vorstand der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung. Seine Idee war der bewusste Verzicht auf Werbung – eines der großen Markenzeichen von Augustiner. Keine Werbeplakate, keine TV-Spots. Auch sonst schwört man bei Augustiner auf Bewährtes: Das Bier wird noch immer in den bauchigen Flaschen ausgeschenkt, das Logo hat sich nicht verändert. Das Malz wird mit einer uralten Brautechnik in der eigenen Tennemälzerei hergestellt. Augustiner ist die einzige Brauerei, die auf der Wiesn noch aus alten Holzfässern ausschenkt. Und während andere Brauereien in die USA oder nach China exportieren, gibt es Augustiner höchstens in Berlin. Eine Strategie, die auch Jannik Inselkammer verfolgte.

Mit Erfolg: Kein anderes Bier steht so für Heimat- und Tradition wie Augustiner. Auch wenn sich die Brauerei mit Angaben stets bedeckt hält: Die Produktion soll mittlerweile bei 1,3 Millionen Hektoliter im Jahr liegen – Tendenz steigend.

Den Wunsch Jannik Inselkammers, dass Brauerei und Stiftung in Zukunft noch intensiver zusammenarbeiten sollen, sehen deren Führungszirkel nun als großen Auftrag. Augustiner-Co-Geschäftsführer Werner Mayer: „Wir werden noch enger zusammenrücken und das, was ihm wichtig war, in seinem Sinne weiterführen.“ Wer Inselkammers Nachfolger wird, ist noch offen.

tz

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