Begründung: Der Münchner habe sich zu oft per Rechtschutz gewehrt

Nach 36 Jahren: Versicherung wirft Kunden raus!

„Ich hab da mal eine Frage“ – mit diesem Satz wirbt Boris Becker für den Rechtsschutzversicherer D.A.S. im TV. Auch Erwin B. (64) aus Neuhausen hat da mal eine Frage.

„Was ist einer Versicherung ein Kunde wert, dem sie einfach so nach 36 Jahren den Vertrag kündigt?“ Seine Anwort ist kurz: „Nichts.“

Im Oktober 2007 bekam das Ehepaar Erika und Erwin B. aus Neuhausen von der D.A.S. einen Brief. „Wir kündigen hiermit Ihren Rechtsschutzvertrag.“ Erwin B. ärgert sich: „Keine Erklärung, warum. Nach fast vier Jahrzehnten als treuer Kunde. Da fühlst du dich abgezockt.“ Der ehemalige Heizungsbauer will wissen, warum er nun ohne Rechtsschutz dasteht. Er schreibt an die D.A.S. und fragt nach. Die Antwort: zu viele Versicherungsfälle in Mietsachen.

Sieben Mal hatte sich das Ehepaar B. seit 1999 gegen seinen Vermieter gewehrt. Etwa wegen der Wohnungstür, die massiv verzogen war. „Durch den Spalt konnten wir auf den Flur schauen. Mit dem Heizen sind wir nicht nachgekommen.“ Der Eigentümer weigerte sich, die Tür der kleinen Altbauwohnung zu richten. Es kam zum Prozess. Ein Gutachten wurde erstellt. Das Ergebnis: Die Tür muss repariert werden – vom Vermieter.

Weitere sechs Mal gingen Erika und Erwin B. gegen den Eigentümer ihrer Mietwohnung vor. Erwin B.: „Jedes Verfahren haben wir gewonnen. Unsere Klagen waren also berechtigt.“ Insgesamt habe der Rechtsschutzversicherer 901 Euro an Auslagen gehabt. „Weil die ein paar Briefe geschrieben haben.“

Nachfrage bei der D.A.S.: Ist Ihr Vorgehen gerecht? „Wir haben den Vertrag gekündigt, weil wir immer wieder in Mietsachen tätig geworden waren“, sagt Reinhard Kriegel, Leiter der Abteilung Rechtsschutz-Sanierung. „Und da wir davon ausgingen, dass das so weitergeht, mussten wir kündigen. Eine Rechtsschutzversicherung ist für unvorhergesehene Risiken da, nicht für immer wiederkehrende.“

Diese Begründung wurmt Erwin B.: „Was kann ich dafür, wenn der Vermieter mit immer neuen Ansprüchen kommt? Für solche Fälle hab ich doch schließlich einen Rechtsschutz!“

Die Versicherung aber bleibt dabei. „Wir müssen einen Vertrag kündigen, wenn sich die Versicherungsfälle häufen“, erklärt Reinhard Kriengel.

Rentner Erwin B. hat inzwischen gar keine Rechtsschutzversicherung mehr: „Auch ein anderes Unternehmen wollte mich nicht. Nur weil ich wahrheitsgemäß angegeben hatte, dass mir die Konkurrenz gekündigt hat.“ Der Münchner spart sich jetzt lieber die Beiträge. Wie der Rest seiner Familie und viele seiner Spezln. Sie alle kündigten ihre Verträge seit dem Vorfall. Erwin B.: „Für was brauchen wir eine Versicherung, die einen allein lässt, wenn man sie nötig hat?“

Jacob Mell

Quelle: tz

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