Betroffene Mutter in Sorge

"Ich habe Angst vor der Welpen-Mafia"

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Diese Mutter hat Angst vor der Welpen-Mafia und möchte deshalb nicht erkannt werden.

München- Die kriminelle Welpen-Mafia beschäftigt die Leser. Auf den Bericht in der tz haben sich mehrere Betroffene gemeldet. Warum eine 36-Jährige sogar Angst vor den Betrügern hat:

Ihre Kinder hatten sich so über den kleinen Charlie gefreut – jetzt weinen sie. Ihr süßer, weiße Malteser-Welpe starb schon wenige Tage, nachdem ihn Familie Poschner (Name geändert) gekauft hatte. „Ich bin wohl auch der Welpen-Mafia aufgesessen“, sagt Mutter Rita (36), die sich bei der tz nach dem Artikel über die Hunde-Betrügergemeldet hat. Sie will nicht erkannt werden: „Ich habe Angst vor diesen Männern!“

Jahrelang hatten sich ihr Sohn (14) und die Tochter (10) einen Hund gewünscht. Als Rita Poschner dann vergangene Woche im Internet die Anzeige für den 260 Euro teuren Welpen gesehen hat, war es so weit. „Ich habe mit den Verkäufern gemailt und telefoniert. Sie haben mir versichert, dass der Hund gechippt und geimpft ist und sie als Züchter zwölf Jahre Erfahrung hätten.“ Als Treffpunkt für die Übergabe wird eine angebliche Tierarztpraxis in München ausgemacht. Alles klingt seriös.

„Beim Tierarzt wurden wir das erste Mal misstrauisch"

„Als wir dort ankamen, stand der Mann schon mit dem Hund auf der Straße – und stieg gleich zu uns ins Auto. Wir bezahlten bar, bekamen Hund und Papiere“, erzählt die Mutter. Und schon ist der Verkäufer wieder weg. Gleich am ersten Tag merken die neuen Besitzer, dass mit Charlie etwas nicht stimmt. Er isst nicht, wird immer schwächer. Rita Poschner bringt ihn zum Arzt.

Der vermutet einen für junge Hunde typischen gefährlichen Darm-Virus. „Da wurden wir das erste Mal misstrauisch. Denn laut Pass sollte Charlie dagegen geimpft sein. Der Arzt hat vermutet, dass die Impfungen falsch eingetragen sind.“ Außerdem bezweifelt der Fachmann, dass der Hund tatsächlich im Oktober auf die Welt gekommen ist. Er wirkt viel jünger. Alter falsch, gefälschte Papiere – ein typischer Fall von Welpen-Mafia! Wie die tz am Montag berichtet hatte, gibt es auch in München immer mehr Fälle, in denen Hunde aus tierfeindlicher Massenproduktion in osteuropäischen Ländern hierzulande zu Schleuderpreisen verkauft werden. Meist ohne Impfungen, aber voller Parasiten und Krankheiten.

Andere Trickbetrüger-Masche: Geld für Flüge kassieren

Der kleine Charlie starb an einem Virus.

Charlie kommt in die Tierklinik. Dann am Sonntag der Anruf: Charlie ist tot. „Wir sind so traurig. Wir hatten ihn schon ins Herz geschlossen. Vor allem für meine Kinder tut mir das leid. Und für den armen Charlie! Dass ein kleines Lebewesen sterben muss, nur weil irgendwelche Betrüger Geld machen wollen …“ Rita Poschner überlegt, Anzeige zu erstatten. Gottfried Schlicht von der Münchner Polizei rät dazu: „Wir können zum Beispiel wegen Betrugs bei gefälschten Papieren oder auch wegen Tierquälerei ermitteln.“

Auch tz-Leserin Christa Dambuk denkt über rechtliche Schritte nach. Sie ist in eine andere Falle getappt. „Ich habe im Januar einen Hund bestellt. Die Herren haben mir immer süße Welpen-Fotos geschickt. Sie wollten 170 Euro für einen angeblichen Flugzeug-­Transport von Holland nach Deutschland. Ich habe überwiesen.“ Dann aber wollen die Männer noch einmal 250 Euro. Christa Dambuk wird misstrauisch und weigert sich zu zahlen. „Dann habe ich nie wieder was von denen gehört.“ Nun will sie alle warnen: „Bitte fallen Sie nicht auch auf diese Trickbetrüger rein.“

Rita Poschner zögert noch, die Welpen-Mafiosi anzuzeigen, die Charlie auf dem Gewissen haben. „Das ist ja organisierte Kriminalität. Die haben meine Adresse und Telefonnummer. Wem ein Hundeleben so gleichgültig ist, der ist vielleicht auch zu anderem ­fähig.“

Checkliste für den Welpenkauf

Seriöser Händler oder Welpen-Mafia? Der Verband des Deutschen Hundewesens (VDH) weiß, worauf Käufer achten müssen. Die wichtigsten Tipps:

Herkunft erfragen: Lassen Sie sich die Unterlagen auch konkret zeigen! Birgit Büttner vom VDH sagt: „In den Abstammungspapieren sollte bei seriösen Züchtern das FCI-Logi des internationalen Hunde-Dachverbandes Fédération Cynologique Internationale enthalten sein.“ Wichtig seien auch das Gesundheitszeugnis, eventuelle Behandlungsprotokolle und natürlich der Impfpass. „Darin sollten Impfungen gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut und Zwingerhusten eingetragen sein. Wer Zweifel hat, ob der Impfpass echt ist, sollte ihn dem Tierarzt vorlegen“, sagt Büttner. Alle Hunde müssten außerdem einen Transponder (Kennzeichnung) tragen, damit eine eindeutige Zuordnung zu den Unterlagen gewährleistet ist.

Unterbringung und Zustand des Hundes prüfen: Das Tierheim oder die private Pflegestation, in der der Hund untergebracht ist, muss in gepflegtem und hygienisch einwandfreiem Zustand sein. Auch der Pflegezustand des Hundes ist wichtig: Sind Fell und Ohren sauber, die Augen klar und die Nase trocken? Büttner vom VDH rät: „Überprüfen Sie, ob das Muttertier anwesend ist und ob der Züchter nicht mehr als drei Rassen züchtet – andernfalls ist er vermutlich nur Händler. Kaufen sie auf keinen Fall einen Hund von der Straße oder vom Markt.“

Abgabe des Hundes mit Bedingungen: Der Hund wird nur mit einem schriftlichen Vertrag, den beide Parteien unterzeichnen, abgegeben. Darin muss vermerkt sein, dass der Hund bei Schwierigkeiten jederzeit wieder zurückgenommen wird. Üblicherweise werden zwischen Züchter und Käufer auch Besuchstermine vereinbart, um ein problemloses Zusammenleben zu überprüfen – allerdings auch, um eventuell mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

nba

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