Was die Stadt München dagegen tun will

Nach Eisbach-Drama muss darüber geredet werden: Zu viele Nichtschwimmer

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Früh übt sich: Kinder mit Schwimmflügeln planschen im Schwimmbecken. 

Die Tragödie am Eisbach wirft Fragen auf. Eine davon ist sicher, warum die 15-Jährige nicht schwimmen konnte. Tatsächlich zeigt eine Umfrage, dass die Zahl der Kinder, die gut schwimmen können, in den vergangenen Jahren drastisch gesunken ist.

Schwimmen lernt doch jedes Kind – oder? Leider nein: Jeder dritte Grundschüler in München kann nach Ende der 4. Klasse nicht schwimmen. Zu diesem beängstigenden Ergebnis kommt die Stadt München. Das Referat für Sport und Bildung hatte das Marktforschungsinstitut Imas International im vergangenen Jahr mit einer Elternumfrage zur Schwimmkompetenz ihrer Kinder beauftragt. Seit Anfang des Jahres bietet die Stadt in einer „Schwimmoffensive“ Kurse an, vor allem für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter – aber auch kostenlose Kurse für bedürftige Kinder und Jugendliche sowie für Flüchtlinge.

Auch die Erkenntnisse der Deutschen Lebensretter Gemeinschaft (DLRG) sind ernüchternd. Demnach hat sich die Schwimmkompetenz von Kindern in den vergangenen Jahren drastisch reduziert: Erlangten Ende der 80er-Jahre noch mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler zum Ende der Grundschulzeit das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, so sind es mittlerweile nur noch 50 Prozent, so die bundesweiten Zahlen.

Selbst wer sich über Wasser halten kann, kommt oft nicht über Grundkenntnisse hinaus. In München kann laut Bildungsreferat die Hälfte der Fünf- bis Elfjährigen nicht richtig schwimmen. Sie beherrschen die Seepferdchen-Kriterien nicht. Dafür muss man nach einem Sprung vom Beckenrand 25 Meter am Stück schwimmen und einen Ring aus schultertiefem Wasser herauftauchen können.

Für das Defizit gibt es viele Gründe: „Zum einen liegt das am schulischen Angebot“, sagt Michael Förster, Sprecher der DLRG und selbst ehrenamtlicher Lebensretter. „In München haben ja viele Schulen kein eigenes Bad oder das nächste ist zu weit entfernt. Die Fahrt würde zu lange dauern, sodass sich der Schwimmunterricht nicht lohnen würde.“ Zum anderen, so Förster, gebe es viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. „Die Mädchen dürfen zum Teil nicht in den Schwimmunterricht. Und auch die Eltern können oftmals nicht schwimmen, da sie es in ihren Heimatländern nicht gelernt haben.“

Die Sprecherin des Bildungsreferats, Ursula Oberhuber, räumt ein: „Sportlehrer benötigen extra Qualifikationen, wie beispielsweise die Ausbildung zum Rettungsschwimmer, um Schwimm–unterricht geben zu dürfen. Vorschriften, die das Kultusministerium geregelt hat.“ Dort steht zum Beispiel geschrieben, dass für Schwimmer und Nichtschwimmer eigene Gruppen einzurichten sind. Auch eine Hilfskraft soll anwesend sein, die Parallelunterricht der Schwimmer und Nichtschwimmer anbieten könne oder die Schüler beaufsichtige, während der Lehrer im Wasser einzelne Schüler unterrichte. Oberhuber: „Meist gibt es aus Personalmangel aber gar keine Hilfskraft. Und oft sind die Klassen bis zu 23 Schüler groß. Das ist einfach nicht umsetzbar.“

Die Stadt München kümmert sich und will mit ihrer Schwimmoffensive ein Signal setzen. Das Ziel ist es, dass am Ende der 4. Klasse 90 Prozent der Münchner Kinder das Seepferdchen-Niveau erreicht haben. Noch sei es zu früh, um Zahlen zu präsentieren, sagt Oberhuber, aber immerhin: „Die Schwimmkurse sind ständig ausgebucht.“ In der Tat gibt es beispielsweise einen Schwimmkurs für Kinder ab sechs Jahren erst wieder ab 15. September im Nordbad, ab 18. September im Südbad und 15. September im Westbad – neun Einheiten kosten 110,50 Euro.

Lesen Sie hier: Der schreckliche Unfall am Montagabend im Englischen Garten schockt München: Ein 15 Jahre altes Mädchen ertrank im Eisbach. Jetzt wurde bekannt: Das Mädchen konnte nicht schwimmen. Lesen Sie, wie die Suche nach Mariam ablief.

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