Was hat Sie da geritten, Herr Babor?

Nach Eklat: CSU-Stadtrat versteht den Ärger nicht

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Reinhold Babor

München - CSU Stadtrat Reinhold Babor sorgte am Mittwoch für einen Eklat. Doch er selbst versteht den Rummel um seine Äußerungen nicht.

Es sollte eine versöhnliche, weihnachtliche Rede sein, in der sich der Stadtrat-Älteste bei der Verwaltung für ihre Arbeit bedankt und die Fraktionen lobt. Doch die Jahresabschlussrede des CSU-Stadtrates Reinhard Babor (76) endete am Mittwoch im Eklat, als er erklärte, Münchens Anahmefähigkeit für Flüchtlingen sei erreicht. Die tz sprach mit Babor.

In seinem Jahresrückblick kam Babor schnell auf das Thema: „Nicht geplant waren die vielen tausend Asylbewerber und Flüchtlinge, die versorgt werden müssen. Nach meinem Dafürhalten ist für München die Obergrenze erreicht, organisatorisch und finanziell.“ Dabei gelingt es der Stadt stets auf neue, Unterkünfte zu finden. „Die Asyl-Industrie boomt“, polterte der er gebürtige Bukowina-Deutsche, der nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtling nach München kam, weiter. Babor meinte damit die Ausgaben für Unterkünfte, Medizin, Betreuung usw. Dann fantasierte er von christlichen Werten im Gegensatz zur Scharia – und beklagte im gleichen Atemzug die niedrigen Renten – und bezeichnete es als „Unding“, dass die Stadt für das Islamzentrum in der Dachauer Straße ein Grundstück reserviert habe.

Den Grünen wurde das als erstes zu viel, sie verließen den Saal. FDP und SPD folgten, sogar CSU-Kollegen gingen raus, ohne das Babor zu merken schien, dass ein Protest war. Die Rathaus-CSU distanzierte sich noch am gleichen Abend von Babors Rede. Der selbst versteht den Ärger nicht: „Ich habe mich dafür entschuldigt, dass ich nicht die erwartete Weihnachtsrede gehalten habe. Aber ich stehe zu dem, was ich gesagt habe, das ist meine Meinung.“ Es gebe viele Moslems, die sich an das Grundgesetz halten, aber auch welche, die weit davon entfernt seien. „Die kann man nicht integrieren.“

SPD und CSU wollen den 76-Jährigen 2016 nicht mehr reden lassen. Babor: „Dann soll ein anderer den Weihnachtsengel spielen.“

Der Vorsitzende der Münchner Senioren Union und Giesinger Stimmenkönig bei den Kommunalwahlen, ist für krude Thesen bekannt. Bei der Vereidigung von OB Dieter Reiter (SPD) lobte er 2014 die Giesinger Feuerwehr, die dem Maibaumverein beim Aufstellen half. 2012 verteilte er Islam kritische Flugblätter im Stadtrat, immer wieder polemisierte er gegen den Frauenbadetag im Harlachinger Bad, bei dem islamischen Frauen das Schwimmen ermöglicht wird.

Johannes Welte

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