Zum Tod von Ellis Kaut

Pumuckl-Fan am Ort der Kindheits-Erinnerungen

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Terence Probandt vor der ehemaligen Werkstatt.

München - Der Tod von Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut macht auch Fan Terence Probandt traurig. Er kehrt immer wieder gerne an den Schauplatz der Verfilmung zurück.

Wenn Pumuckl-Fan Terence Probandt (34) in den Hof der Widenmayerstraße 2 kommt, ist das für ihn wie die Rückkehr in seine Kindertage. „Hier stand seine Werkstatt!“, berichtet er mit leuchtenden Augen und zeigt auf ein Bürogebäude mit hässlicher braun-roter Fassade. Nichts erinnert mehr an das alte Gebäude, dass nicht nur Kinderherzen höher schlagen ließ. Wo früher Meister Eder mit dem Pumuckl lebte und arbeite ist jetzt ein Bürogebäude der Bayerischen Versicherungskammer. „Es macht mich so traurig, dass die Werkstatt nicht mehr da ist. Man hätte sie als Museum erhalten müssen!“, sagt Probandt.

Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut gestorben

Die alte Werkstatt.

Der Grund für den Abriss: In der Folge „Pumuckl und das Feuer“ brannten die Filmemacher wirklich die Küche ab! 1985 wurde das Haus, in dem vom Zweiten Weltkrieg an bis in die 1960er-Jahre wirklich eine Schreinerei war abgerissen. Genauso traurig wie die fehlende Werkstatt macht den Musiker aber auch der Tod von Ellis Kaut. „Sie hat Menschen glücklich gemacht! Ich verehre sie für ihre Kreativität, ihre Leidenschaft und ihre Figuren.“ Als Kind trug er am liebsten die Latzhosen, wie sie Gustl Bayrhammer in der Serie immer trug. „Ich habe als Kind Hobel und Sägespanne bekommen!“ Probandt wird aber wiederkommen – an den Ort seiner Erinnerungen.

FF/GB

Daheim beim guten Geist

Wenn Alexander (8) den Pumuckl bei seiner Oma hört – ganz klassisch auf Schallplatte –, dann ist er in einer anderen Welt. Auch nach Hunderten Malen noch. Hans Clarin gellt durchs Esszimmer, und wenn bei Pumuckl kocht Pudding die Passage kommt: „Jetzt hast du die Tasse getrennt und nicht das Ei!“, dann huscht zum 349. mal ein Lächeln über Alexanders Gesicht.

Als Alexander ein Jahr alt war, konnte sein Papa Ellis Kaut zuhause besuchen in der Nähe des Pasinger Bahnhofs. Das Mehrfamilienhaus: schmucklos, unspektakulär. Doch im Inneren tut sich eine Welt voller Wunder auf. Gemälde und Zeichnungen hängen an den Wänden, ein Cembalo ziert das Wohnzimmer, der Schreibtisch, die Bücher: Alles atmet einen stillen, ruhigen Geist.

Im Dezember 2009 besuchte tz-Redakteur Matthias Bieber Ellis Kaut in ihrer Wohnung.

Ellis Kaut, damals 89, erzählte uns von Geistern – berührend und einfach: „Es gibt Momente, wo ich spüre: Irgendwer ist in der Wohnung. Ich weiß nicht, wer, aber jemand Nettes. Kein Gespenst, sondern ein guter Geist.“ Für uns war die Autorin dieser gute Geist. Sofort fühlte man sich wohl bei ihr, sah in ihre blitzwachen Augen voller Schalk und Güte. Beim gemeinsamen Foto sagte sie neckend: „Nicht, dass die Leser noch glauben, wir haben eine Liaison.“

Ihre große Liebe war Kurt Preis, der 1991 verstorben ist. Ihre Liebe blieb jung. Wie? Indem sie, Tür an Tür, getrennte Wohnungen hatten. Freigeister gehen sich nicht auf den Geist. „Ich sah meinen Mann vor allem zu den Mahlzeiten“, sagte sie uns. Ganz natürlich, ganz normal war das. Und dann zeigte sie uns einen wahren Schatz: eine alte, kostbare Foto-Ausrüstung des einstigen Merkur-Journalisten.

Wenn Ellis Kaut von ihrem Schreibtisch ins Grüne sah, dann schaute der kleine Kobold Pumuckl ab und zu auf dem Geländer vorbei. Dessen Namen hat sie ihrem Mann zu verdanken: Der nannte sie, sagte sie uns, in einem Winterurlaub mal so, als die junge Gattin ihn übermütig mit Schnee beworfen hatte: „Du bist ja ein richtiger Pumuckl!“ Damals konnte das Paar nicht ahnen, dass dieser zärtliche Ausruf zur Liebe für Millionen werden sollte.

Zurück zum Geist in Ellis Kauts Wohnung. Sie sagte damals zu uns: „Ich weiß, dass er nicht wirklich da ist, aber dieses Etwas beschert mir ein warmes Empfinden. Es ist eine Wohltat, die man sich selber tut.“

Vielleicht ist es dieser Geist, der nun, auch nach dem Tod dieser wundervollen und zauberhaften Dame, auch alle ein Stück weit begleitet. Die Erinnerung an eine Frau, die eines der frechsten, liebenswertesten und menschlichsten Wesen erschaffen hat, das Kinder und Kindgebliebene kennenlernen, auch wenn sie den rothaarigen Kobold nicht mit Augen sehen können. Wir sind schließlich nicht Meister Eder. Aber wie heißt es so schön, und das würde Ellis Kaut sofort unterschreiben: Man sieht nur mit dem Herzen gut.

Matthias Bieber

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