Handelte er fahrlässig?

Nach Explosion: Schwabinger Goldschmied angeklagt

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So sah es im Laden nach der Explosion aus.

München - Vor zwei Jahren flog ihm sein Laden um die Ohren, gestern musste Goldschmied Hans Starr deswegen sogar vor Gericht. Der Albtraum geht weiter.

Goldschmied Hans Starr auf der Anklagebank.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Starr hat fahrlässig gehandelt und trägt selbst die Schuld an der verheerenden Gasexplosion in der Türkenstraße im Dezember 2012.

Drei Monate vor der 40-Jahr-Feier lag Starrs Existenz plötzlich in Trümmern. Aus einer Propangasflasche in seiner Werkstatt war Gas ausgetreten, ein elektrischer Funke an einem Kühlschrank löste schließlich das Inferno aus. Zum Glück war Starr zu diesem Zeitpunkt nicht im Geschäft, weil er gerade sein Auto umparkte. Die schwierige Parkplatzsuche in der Türkenstraße – sie hat ihm das Leben gerettet. Insgesamt wurden allerdings neun Menschen verletzt.

Neun Menschen wurden verletzt.

Vor Gericht berichten die Opfer von den dramatischen Szenen. Durch die Wucht der Detonation flog die massive Panzerglasscheibe aus dem Schaufenster, wurde auf die andere Straßenseite katapultiert. Wie durch ein Wunder wurde niemand getroffen. Eine Radlerin erinnert sich: „Auf einmal war da dieser laute Knall. Im nächsten Moment lag ich auf dem Boden.“ Auch die Wohnung oberhalb des Ladens wurde stark beschädigt. „Das Parkett war gesprengt, mein Flügel war hinüber. Der kostete 30.000 Euro“, sagt der Mieter im Zeugenstand. Gesamtschaden: rund eine halbe Million Euro!

Der Laden von Goldschmied Hans Starr wurde bei einer Gasexplosion im Dezember 2012 völlig zerstört

Vor Gericht ging es jetzt um die Schuldfrage. Ein Gutachter: „Der Gasschlauch war nur provisorisch mit einem Isolierband an einem Brenner befestigt. Der Schlauch hat sich gelöst, dadurch strömte unkontrolliert Gas aus. Es entstand ein hochexplosives Gemisch.“ Für ihn stand fest, dass Hans Starr fahrlässig gehandelt hatte. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft im Vorfeld bereits einen Strafbefehl über 70 Tagessätze gegen den bekannten Schwabinger Goldschmied beantragt. Weil Starr jedoch Einspruch einlegte, kam die Sache jetzt vor Gericht. Nach einigen Zeugenvernehmungen sah der Goldschmied jedoch keine Erfolgschancen und nahm den Einspruch zurück. Immerhin betreibt Starr wenige Häuser weiter jetzt wieder einen eigenen Laden – der 18. Dezember 2012 wird ihn aber immer verfolgen.

Johannes Heininger

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