Nach irrem Ritt auf der Motorhaube

Diese Drohne fliegt für die Mordkommission

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Thomas Götz steuert die Drohne über der Kreuzung vor der Paul-Heyse-Unterführung.

München - Senkrecht hebt die kleine Drohne mit einem leisen Surren ab, lässt rasch Bäume, Bahnhof und einen Schwarm hysterisch flatternder Tauben unter sich. Um dann in etwa 100 Metern Höhe stehen zubleiben und im Auftrag der Münchner Mordkommission ihren Job zu erledigen:

Nämlich Luftbilder machen von der Kreuzung Paul-Heyse-, Ecke Bayerstraße – Schauplatz eines versuchten Mordes, bei dem der Sushi-Bote Serhad (26) am 23. November in höchste Lebensgefahr geriet.

Diesen Unfall überstand Serhad (26; r.) leicht verletzt. Beim Crash lag er auf der Motorhaube des blauen Fiat Punto.

Um 14.15 Uhr hatte er an jenem Sonntag seinen blauen Fiat Punto mit steckendem Schlüssel vor dem Asia-Bistro in der Kapuzinerstraßestehen lassen. Als er wieder herauskam, war sein Auto weg – geklaut von einem Slowaken (37), den Serhad nach kurzem Spurt an der Ampel der Lindwurmstraße einholte. Er stellte sich vor den Wagen und hoffte, der Dieb würde aufgeben. Stattdessen gab der Slowake Gas. Bäuchlings auf der Motorhaube liegend wurde Serhad zu einem 1,5 Kilometer langen Höllenritt durchs Bahnhofsviertel entführt. Bei Tempo 80 fuhr der Dieb wilde Zick-Zack-Linien, um Serhad abzuwerfen. Doch der klammerte sich an die Scheibenwischer: „Ich kam mit vor wie ein Torero.“ Kurz vor der Paul-Heyse-Unterführung rast der Dieb bei Rot über die Ampel, rammt das Heck eines Audi. Serhad übersteht den Crash nur mit viel Glück leicht verletzt. Der Dieb sitzt seitdem wegen versuchten Mordes in U-Haft.

Noch heute sieht man die Spuren auf dem Asphalt. Darum bediente sich die Mordkommission am Samstag erstmals der Fotodrohnentechnik. Gegen 8.45 Uhr wurde die Kreuzung für einige Minuten gesperrt. Dann brachten Pilot Thomas Götz und der Münchner Unfallsachverständige Markus Schönpflug ihre Messlatten und das Fluggerät in Stellung. Auch Peter Klinger von der Mordkommission war beeindruckt: „Eine sehr interessante Premiere für uns.“ Die Aufnahmen sind Teil des unfallanalytischen Gutachtens.

Und Serhad? Der frisch verheiratete Kurierfahrer ist wieder fit, arbeitet jetzt aber noch mehr als früher. Statt Sushi fährt er jetzt Wäsche aus – im Firmenwagen. Denn sein kleiner Fiat Punto ist seit dem Unfall Schrott. Ein herber Verlust für den Boten, der mit dem Auto Geld verdiente: „Für ein neues Auto muss ich erst wieder sparen.“

Akku reicht 20 Minuten

Das fliegende Leichtgewicht ist ein Unikat – selbst gebaut, aufwendig programmiert und per Fernbedienung gesteuert von Thomas Götz. Je nach Kamera-Zuladung wiegt die Fotodrohne bis zu fünf Kilo. Blaue und rote Lichter an der Unterseite zeigen Götz die Flugachsen an. Die Akku-Leistung reicht für 20 Minuten. Länger als zehn Minuten lässt Götz die Drohne aus Sicherheitsgründen nicht gern fliegen. Im Falle eines unkontrollierten Absturzes könnten die scharfen Kanten der acht Propeller aus faserverstärktem Kunststoff Menschen übel verletzen und Schäden anrichten.

Dorita Plange

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