Nach 53 Jahren: Ein tierisch schönes Wiedersehen

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Dieser tz-Artikel brachte (von links) Erika, Anna und Günter wieder zusammen.

München - Unglaublich, aber wahr: Die tz-Zooaktion hat eine getrennte Familie nach 53 (!) Jahren wieder zusammengeführt. Lesen Sie hier die rührende Geschichte.

Als Erika Zollner (63) wie jeden Morgen die tz aufschlägt, stockt ihr plötzlich der Atem. Das alte Foto, auf dem eine Dame im Tierpark mit einem Löwenbaby posiert, kennt sie doch. Und tatsächlich: Die Frau auf dem Bild ist ihre Tante Anna, die sie vor 53 Jahren das letzte Mal gesehen hat! „Ich war so aufgeregt, dass ich mich auf gar nichts mehr konzentrieren konnte“, erzählt die Buchhalterin aus München.

Das Leserfoto muss ihr Cousin Günter, der Sohn der Tante, eingeschickt haben – auch zu ihm hat Erika Zollner seit 1958 keinen Kontakt mehr. Gleich am nächsten Morgen tippt sie eine Email an die tz-Redaktion: „Bitte helfen Sie mir, mit meiner Familie wieder Kontakt aufzunehmen!“ Und die tz arrangiert das große Wiedersehen. In Penzberg, wo Günter Lenz (66) seit 20 Jahren mit Ehefrau Sieglinde und Mutter Anna (94) lebt, fallen sich die Familienmitglieder nach über einem halben Jahrhundert zum ersten Mal wieder in die Arme. Ein rührender, herzlicher Augenblick. Tante Anna muss sich sogar ein paar Tränen verkneifen: „Ist das eine Überraschung, ich freue mich riesig. Und Mädchen, du hast noch das gleiche Gesicht wie früher!“

Bei Erikas Erstkommunion 1958 in Sendling gratuliert Cousin Günter. Sie war damals zehn Jahre alt, er 13.

1958, an Erikas Erstkommunion in der Kirche St. Margaret in Sendling, sieht sich die Familie zum letzten Mal. Da ist Erika gerade zehn, Cousin Günter ein junger Bursche von 13 Jahren. „Er sah so toll aus in seinem Anzug, wie Rex Gildo“, schwärmt die heute 63-Jährige. Ein paar Jahre lang leben beide Familien sogar gemeinsam in einem Haus in der Schmied-Kochel-Straße in Sendling. Als Günters Vater einen Job als Tierpfleger in Hellabrunn bekommt, zieht seine Familie in eine Dienstwohnung am Rande des Tierparks. Erika erinnert sich noch an ihre Besuche: „Das war ein Paradies für uns Kinder, wir sind den ganzen Tag in den Wäldern rumgestreunt.“ Doch als noch im Jahr der Kommunion die Oma der Kinder stirbt, bricht der Kontakt zwischen den Familien ab.

 Kurze Zeit später geht Günters Vater in Rente und die Familie muss die Dienstwohnung räumen. Erika Zollner fährt noch einige Male an der alten Wohnung der Tante vorbei: „Aber da war keiner mehr, sogar das Klingelschild war weg. Ich hatte keine Möglichkeit, meine Tante wiederzufinden.“ In der alten Holzlaube im Garten blättern die Drei gemeinsam im Familienalbum und schwelgen in Erinnerungen: „Tante Anna war immer so ordentlich. Bei dir hat man immer die Schuhe ausziehen müssen und ständig hast du hinter uns hergeputzt“, schmunzelt Erika. Tante Anna drückt immer wieder die Hand ihrer Nichte: „Erika war so braves Kind. Und eine ganz Hübsche – aber das ist sie jetzt auch noch!“

Und natürlich schauen sie auch gemeinsam die tz mit dem alten Foto an, das das Wiedersehen ins Rollen brachte. „Mei, war ich da noch schlank“, staunt Tante Anna. „Und damals trug man diese halberten Mützen, die man an den Kopf hidatscht hat. Aber die sind jetzt wieder in – auf der englischen Hochzeit sahen die Damen genauso aus.“ Günter kann noch immer nicht fassen, dass er nach so langer Zeit mit seiner verschollenen Cousine am Kaffeetisch sitzt: „Dass so ein kleines Foto so etwas bewirken kann – unglaublich.“ Und das Treffen wird nicht das letzte sein. Künftig wollen sich die Drei regelmäßig sehen. Tante Anna gibt ihrer Nichte ein dickes Abschiedsbusserl: „Mädchen, komm bald wieder. Du bist hier immer gerne gesehen – brauchst bloß vorher anzurufen!“

Christina Schmelzer

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