Nach 20 Jahren: Versuchter Mord und Vergewaltigung geklärt

München - Manchmal lässt sich die Gerechtigkeit viel, viel Zeit – in diesem Fall sogar fast 20 Jahre lang: Jetzt wurde ein Vergewaltoger endlich gefasst.

Ein archivierter Fingerabdruck von 1991 überführte einen heute 37 Jahre alten, in Perlach lebenden Italiener als extrem gefährlichen Sexualtäter. Mit Hilfe dieses alten Fingerabdruckes konnte die Münchner Mordkommission nun ein Verbrechen klären, das im Frühjahr 1991 die Münchner schockte.

Rückblick: In der Nacht zum 4. April 1991 lässt eine damals 25-jährige Arzthelferin die Balkontür ihrer Erdgeschosswohnung in der Rablstraße angelehnt, als sie nachts um 1 Uhr ins Bad geht. So merkt sie nicht, dass sich ein fremder Mann hereinschleicht. Kurz darauf kommt es im Bad zu einer furchterregenden Begegnung. Urplötzlich steht der Fremde in der Tür, zieht der jungen Frau sofort eine Colaflasche über den Kopf. Benommen geht sie zu Boden. Sie weiß: Flucht ist unmöglich, niemand kann ihr jetzt noch helfen. Es geht um ihr Leben. Also stellt sie sich tot. Wehrt sich nicht, als der Täter sie vergewaltigt und demütigt. Erst nach zwei Stunden geht er endlich.

Am Tatort wird ein Fingerabdruck gesichert, der nach Angaben des Chefs der Münchner Mordkommission, Markus Kraus „ohne Frage tatrelevant war“. Im Automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungssystem – kurz AFIS genannt – wurde diese Spur gespeichert. Seitdem wurde sie regelmäßig mit den Spuren registrierter Tatverdächtiger verglichen. Vor zehn Tagen schließlich meldete das System einen Treffer.

Am Donnerstagnachmittag wurde der heute 37-Jährige völlig überraschte Italiener daheim in Perlach verhaftet. Er sitzt nun wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung in U-Haft.

Über seine Person wird die Öffentlichkeit – so will es das Gesetz – so gut wie nichts erfahren. Es gibt keine Details über seinen Beruf, über seine (offensichtlich vorhandenes) kriminelles Vorleben oder sein Leben seit der Tat. Weil er damals 17 Jahre und damit minderjährig war, ­unterliegt sein Fall dem ­Jugendstrafrecht.

Dementsprechend werden seine ­Persönlichkeitsrechte umfassend geschützt. Es bedeutet auch ein milderes Strafmaß. Die Höchststrafe im Jugendstrafrecht ist selbst bei vollendetem Mord auf zehn Jahre begrenzt.

Sein heute 45 Jahre altes Opfer dagegen wird ein Leben lang unter diesem Verbrechen leiden. Die Frau hat es geschafft, das Trauma zu verarbeiten und sich ein normales Leben aufzubauen. Auf die Festnahme des Täters reagierte sie sehr erleichtert. Es fällt ihr aber schwer, wieder über die Tat zu sprechen. „Im Gespräch mit ihr merkt man, dass die Zeit eben doch nicht alle Wunden heilt“, sagte Staatsanwalt Andreas Franck am Freitag voller Mitgefühl.

Dorita Plange

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

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