Wie nah ist der Kölner Tatort an der Realität?

Bürgerwehr (k)ein Thema für München

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Der verlängerte Arm der Polizei: Im Freistaat gehen derzeit etwa 780 ehrenamtliche Männer und Frauen als Sicherheitswacht auf Streife. Bis zum Jahr 2020 sollen es 1500 Mitglieder werden.

München - Sicherheitswachten als Reaktion auf gefühlte Gefahr: eines der Themen im Kölner „Tatort“. Wie nah ist die Handlung dran an der Realität? In München gibt es nach Auskunft der Polizei derzeit kein Problem mit selbst ernannten Bürgerwehren.

„Anfang des vergangenen Jahres haben wir zwei Gruppierungen beobachtet, die sich übers Internet wohl auch hier formieren wollten“, sagt Werner Kraus, Sprecher der Polizei München. Die Initiativen planten in der Landeshauptstadt auf Streife zu gehen – angeblich, um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Doch die Experten befürchteten damals, dass bekannte Rechtsextreme hinter dem Vorhaben stecken.

Nach den Silvester-Übergriffen in Köln im vergangenen Jahr bildeten sich gleich in mehreren deutschen Städten Bürgerwehren. Häufig dann, wenn in einem Gebiet die Zahl der Einbrüche stieg. Bürger gingen dann gemeinsam auf Streife, um weitere Taten zu verhindern. Allerdings nutzten Rechtsextreme die Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung aus. Getarnt als harmlos klingende „Bürgerwehr“ schürten Neonazis die ängstliche Stimmung in der Bevölkerung. „Wir stehen diesen Bürgerwehren sehr kritisch gegenüber“, sagt Werner Kraus. Man habe die Initiativen, die sich damals im Internet formierten, genau beobachtet und geschaut, wer dahinter steckt. In München seien sie nicht aktiv geworden. Vielleicht, weil es laut Kraus in der Landeshauptstadt kein Sicherheitsproblem gebe, das solche Bürgerwehren nötig machen würde. „Die Polizei ist zuständig für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“, sagt der Sprecher. „Wir wollen keine Selbstjustiz oder eigene Aktivitäten.“ Bürger, die etwas Auffälliges bemerken, sollten sich unter der Nummer 110 an die Polizei wenden. „Wer sich darüber hinaus engagieren will, kann sich ehrenamtlich bei der Sicherheitswacht bewerben“, erklärt Kraus.

Die Sicherheitswachtler sind als „verlängerter Arm“ der Beamten unterwegs. Beim Auswahlverfahren der Bewerber legt die Polizei sehr hohe Maßstäbe an. Es gibt ein Vorstellungsgespräch und eine Ausbildung samt Prüfung. Tatsächlich werden auch etliche Interessenten abgelehnt. Bewerber müssen einen einwandfreien Leumund besitzen und für die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten. Erst im Sommer vergangenen Jahres machte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Werbung für das Ehrenamt. Er will die freiwillige Sicherheitswacht im Freistaat deutlich ausbauen. Etwa 780 Männer und Frauen gehen derzeit als Sicherheitswacht auf Streife. Bis 2020 sollen es nach den Vorstellungen des Ministers 1500 Mitglieder werden.

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