Ermittlungen zu Wiesn-Attentat gefordert

München  - Angesichts der über zehn Jahre währenden Mordserie mit rechtsextremem Hintergrund fordert die SPD erneut die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfestattentat 1980.

Ein Wiederaufnahme gebiete der Respekt vor den 13 Todesopfern und über 200 Verletzten des schwersten Terroraktes der deutschen Nachkriegsgeschichte, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag , Markus Rinderspacher, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

“Wenn dankenswerter Weise jetzt alle politischen Kräfte dazu aufrufen, dass viele Straftaten der letzten Jahre noch einmal auf eine möglichen rechtsextremen Hintergrund überprüft werden müssen, dann gehört auch das Oktoberfestattentat wieder auf die Tagesordnung.“ Bis heute spreche vieles dagegen, dass der Student Gundolf Köhler, der bei der Tat starb, das Attentat allein beging.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte bereits am Montagabend bei der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises den Bogen zur aktuellen Mordserie mit rechtsextremistischen Hintergründen geschlagen und das Oktoberfestattentat angesprochen. Die Ermittlungen seien erstaunlich früh eingestellt worden. “Viele Requisiten und Gegenstände sind nicht in der Asservatenkammer aufbewahrt worden sondern verschwunden“, sagte Ude.

Der 21-jährige Geologie-Student Köhler, ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen “Wehrsportgruppe Hoffmann“, hatte am 26. September 1980 nach einer verpatzten Prüfung den Sprengsatz mit 1,39 Kilogramm TNT in einem Mülleimer am Wiesn-Haupteingang deponiert.

Bis heute gibt es Zweifel, ob Köhler die Tat - gut eine Woche vor der Bundestagswahl - allein und nur aus persönlichem Frust begangen hat. Augenzeugen wollen etwa in dem Auto, in dem Köhler nach München kam, Mitfahrer gesehen haben, die sich gestikulierend unterhielten. Spekuliert wird auch, dass Köhler mit anderen zusammen ein Nachahmungstäter war, der den Anschlag Rechter acht Wochen zuvor auf den Bahnhof von Bologna mit 85 Toten zum Vorbild nahm.

Trotz jahrelanger Forderungen wurde das Verfahren bisher nicht wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr war bekanntgeworden, dass amtlich verwahrte Beweismittel dazu Ende der 1990er Jahre vernichtet wurden. Bereits im Februar habe der Landtag sich für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ausgesprochen. “Damit hat die Legislative einen klaren Wunsch formuliert, der als Auftrag verstanden werden sollte an die Bundesanwaltschaft“, sagte Rinderspacher.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Nach Liebesspiel in der U-Bahn: Das sagt ein MVG-Mitarbeiter
Nach Liebesspiel in der U-Bahn: Das sagt ein MVG-Mitarbeiter

Kommentare