„Ich wollte einen auf dicke Hose machen“

Nach OEZ-Amok: Er drohte mit einem Anschlag

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In Handschellen wurde Jan H. ins Amtsgericht geführt.

Er erfand einen angeblich geplanten Anschlag auf den Münchner Hauptbahnhof - nur wenige Tage nach dem Amoklauf am OEZ. Nun musste sich Jan H. (32) vor Gericht verantworten.

München - Was hatte er sich bei dieser Aktion nur gedacht? Jan H. (32) muss nicht lange überlegen: „Ich wollte einen auf dicke Hose machen.“ Aber das ging gründlich schief! Weil der arbeitslose IT-Elektroniker am 3. Juli 2016 eine Anleitung zum Bombenbau verschickt hat, verurteilte ihn am Freitag das Amtsgericht: Er erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung und muss 100 Sozialstunden ableisten.

Auf Jan H. war die Polizei schon im Herbst 2015 gestoßen, als er Symbole der Terrormiliz IS verwendet hatte. Noch schlimmer aber: Am 28. Juli 2016, nur sechs Tage nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum, rief H. bei der Polizei an. Dort gab er an, dass am Hauptbahnhof ein Terror-Anschlag geplant ist. Auf der Wache gab H. aber an, er dürfe nichts mehr sagen. Sonst werde er getötet!

Am Ende alles nur erfunden. „Ich möchte mich für den ganzen Unsinn entschuldigen. Ich hatte nie vor, einen Terroranschlag vorzubereiten oder einen Menschen zu töten.“ Mit dem Islamischen Staat habe er nichts zu tun. „Ich habe nur recherchiert, weil ich wissen wollte, wie groß die Szene ist“, sagte H.

Auch den Empfänger der Bomben-Anleitung habe er nicht persönlich gekannt, sondern nur aus einer WhatsApp-Gruppe. „Das waren hochbrisante Dokumente. Sie haben in Kauf genommen, dass damit schwere staatsgefährdende Straftaten begangen werden“, rügte Richter Sebastian Schmitt.

Angeklagter: „Ich war betrunken“

Warum H. bei der Polizei angerufen habe? „Ich war betrunken“, sagte er. Im Prozess wird deutlich, wie isoliert er war. Seit zwei Monaten arbeitslos, pendelte sein Leben zwischen Internet-Chats und Besäufnissen. Nebenher läuft ein Insolvenz-Verfahren gegen ihn. „Seine Wohnung war in einem desolaten Zustand“, sagte ein Polizist aus.

Dank Verteidiger Gerhard Bink durfte Jan H. nach Prozessende nach Hause gehen. Mit Tränen in den Augen versprach er, sein Leben zu ändern und sich einen Job zu suchen. Zunächst muss er aber seine 100 Sozialstunden leisten.

Amoklauf am OEZ: Bilder des Polizeieinsatzes

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