Tiermedizin

Nach OP in München: Neue Hüfte bringt Lina auf Trab

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Sie springt wieder: Dank ihrer künstlichen Hüftgelenke kann Hündin Lina unbeschwert und ganz ohne Schmerzen auf der Wiese herumtollen. Geduldig lässt sie die Nachuntersuchung durch Tierärztin Saskia Triebe und Prof. Andrea Meyer-Lindenberg über sich ergehen. Auf dem Röntgenbild sind die Implantate in beiden Hüften deutlich zu erkennen. Sie halten in den meisten Fällen ein ganzes Hundeleben lang.

Künstliche Hüftgelenke können das Ende jahrelanger Schmerzen bedeuten. Das gilt für Patienten auf zwei Beinen, aber längst auch für Vierbeiner. Zum Beispiel die Hündin Lina.

Künstliche Hüftgelenke versprechen das Ende oft jahrelanger Schmerzen und eine völlig neue Lebensqualität. Und das nicht nur beim Menschen. Auch Haustiere profitieren längst von den Möglichkeiten der modernen Medizin. Wir stellen ein Beispiel vor.

Bald war klar: Mit dem Hund stimmt etwas nicht

Im zarten Alter von sechs Monaten kam Lina (heute zweieinhalb Jahre alt) im Jahr 2016 aus Kreta in die Familie von Therese (48) und Frank H. (54) im Landkreis München. Die Eheleute und ihre beiden Kinder (9 und 11 Jahre) gewannen die Hündin schnell lieb. Doch bald war klar. „Mit dem Hund stimmte etwas nicht. Lina wurde schnell müde, spielte kaum und humpelte. Das ging nicht mehr weg“, erinnert sich Therese H.

Lina wurde geröntgt. Die Diagnose war eindeutig – und ein Schock: „Hüftgelenksdysplasie. Bei einem so jungen Hund“, erzählt Therese H. Die meist erbliche Hüftdysplasie (HD), bei der der Hüftkopf aus der Hüftpfanne herausrutscht, zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen, die in der Chirurgischen und Gynäkologischen Kleintierklinik der LMU an der Veterinärstraße 13 behandelt werden. Es ist ein Leiden, dass Mensch und Tier gleichermaßen quält. Mit den gleichen Schmerzen, den gleichen Einschränkungen und dem Verlust der Lebensfreude. Darum gibt es an der Klinik ein Spezialisten-Team, das Hunden und zuweilen auch Katzen mit schweren Hüftgelenks-Degenerationen hilft. Wenn Schmerzmittel nicht mehr wirken, ist der Zeitpunkt für einen operativen Eingriff gekommen.

Hüftgelenke aus Titan

Die beste Lösung für das Problem ist der Ersatz durch ein (oder zwei) neue Hüftgelenke aus Titan. Bis zu 30 dieser Operationen führt Professorin Andrea Meyer-Lindenberg, Klinikvorstand und Inhaberin des Lehrstuhls für Chirurgie der Kleintiere, jährlich durch. Jeder Fall wird vorher genau analysiert: „Einem sehr alten Hund wird man diese OP ersparen. Bei jungen Hunden muss das Wachstum abgeschlossen sein. Manche Hunde haben eine schlechte Knochenkonsistenz, bei der das Risiko hoch ist. In solchen Fällen werden wir die Besitzer genau beraten und die Risiken abwägen“, erläutert die Tierärztin. Auch die Lebensumstände des Hundes spielten bei der Entscheidung eine Rolle. Und natürlich die Kosten. Wenn beide Hüften operiert werden müssen, fallen Kosten in Höhe eines gebrauchten Kleinwagens an. Dafür kommt nicht jede Tierversicherung auf.

Meyer-Lindenberg, Klinikvorstand empfahl der Familie H., Lina operieren zu lassen – zunächst einseitig, eventuell auch beidseitig. Angesichts der erheblichen Kosten tagte der Familienrat und entschied: „Das ist uns unsere Lina wert.“ Im November 2016 wurde die schlimmere rechte Hüfte operiert. Doch Lina lahmte links weiterhin so stark, dass auch diese Seite im März 2017 operiert wurde.

Für den aus mehreren Teilen bestehenden Gelenkersatz (Schaft, Pfanne und Kopf) gibt es mehrere Varian- ten und OP-Methoden. In allen Fällen wird der Knochen präzise gefräst und der Titanschaft dann unter Druck (Pressfit genannt) befestigt. Drei Tage lang wird der Patient von Pflegern umsorgt und von Ärzten überwacht. Dann geht’s auch schon wieder nach Hause: „Wir entlassen die Hunde lieber früh, weil sie sich in ihrer gewohnten Umgebung besser entspannen und erholen.“

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Für Familie H. waren das anstrengende Zeiten. „Lina durfte vier Wochen nicht springen und rennen, keine Stufen steigen, nicht im Auto mitfahren“, berichtet Therese H. „Wir legten den Flur mit Teppich aus und versperrten die Treppe. Aber wir sahen auch, dass es ihr von Tag zu Tag besser ging.“

Heute rennt Lina mit den Kindern wieder um die Wette, läuft neben dem Fahrrad mit, spielt mit anderen Hunden und betätigt sich als Rettungsschwimmerin: „Sie zieht unsere badenden Kinder an der Hand aus dem Wasser und ist immer sauer, wenn sie wieder hineinspringen“, sagt Mutter H. schmunzelnd. Und weil der Gelenkersatz in den meisten Fällen ein ganzes Hundeleben hält, wird sich daran so bald nichts ändern. Die H.s jedenfalls haben ihre Entscheidung nie bereut: „Es ist eine einzige Freude, Lina so glücklich zu sehen“, sagt Therese H. „Sie gibt uns alles mit ihrer Freundschaft und Liebe zurück.“

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