Dieb gibt bei Beichte die Beute zurück

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Die Pfarrkirche St. Wolfgang an der Balanstraße in Haidhausen – hier beichtete der reumütige Dieb und übergab EC-Karte sowie Geld an Pater Josef Friedrich 

München - Er hätte die EC-Karte und das Geld auch einfach in einen Umschlag stecken und in einen Briefkasten werfen können. Doch der Sünder suchte einen anderen Weg, um sein schlechtes Gewissen zu erleichtern.

Er wollte das Unrecht, das er einem anderen angetan hatte, aus der Welt schaffen. Er legte bei einem Pfarrer in Haidhausen die Beichte ab – und gab alles zurück.

Der reumütige Mann war an einem Samstag im September um die Mittagszeit in die Kirche St. Wolfgang an der Balanstraße gekommen – mit der Absicht „sein Seelenheil durch das Sakrament der Beichte wiederzuerlangen“, wie die Münchner Polizei berichtet.

Im Beichtgespräch mit Pater Alfons Friedrich erzählte er offenbar von seiner Tat, die er zutiefst bereue. Beeindruckt vom hohen Maß der Reue vergab der Seelsorger die Sünde. Als der Dieb erleichtert gegangen war, entdeckte Pater Friedrich im Beichtstuhl die gestohlene EC-Karte und 115 Euro Bargeld.

Papst Benedikt XVI. am 24. September in Freiburg (Baden-Württemberg). An diesem Tag lieferte ein Gauner unter dem Eindruck des Papstes seine Beute in einem Münchner Beichtstuhl ab.

Das alles brachte der Geistliche umgehend zur Polizei, die das Geld und die Karte dann dem rechtmäßigen Besitzer zurückgab. Bei ihm handelt es sich um einen jungen Mann (19) aus Geretsried, der Anfang ­September plötzlich seine EC-Karte vermisste. Als der Großhandelslehrling seine Kontoauszüge prüfte, fehlten 115 Euro. Offenbar abgehoben an einem Automaten. Er hatte es dem Täter leicht gemacht: Die Karte steckte in einer Plastikhülle, in der unvorsichtigerweise auch die Geheimzahl hinterlegt war.

Zwei Wochen später ging der unbekannte Geldabheber dann in St. Wolfgang in den Beichtstuhl. „Der Mensch hat erkannt, dass er Unrecht getan hatte“, sagt Seelsorger Friedrich. „Mit seiner Beichte und dem Zurückgeben von Karte und Geld hat er doppelte Wiedergutmachung geleistet. Er hat den Schaden beglichen – und sein Gewissen erleichtert“.

Ob der reuige Sünder sich auch vor einer weltlichen Instanz verantworten muss, werden die Ermittlungen der Polizei zeigen. Vom Pfarrer jedenfalls können die Beamten keine Hilfe erwarten. Das Beichtgeheimnis ist auch für ihn ein unantastbares Gut.

J. Mell

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