Chormitglieder der Frauenkirche protestieren gegen Rauswurf ihres Domkapellmeisters

Nach Porno-Skandal: Domsänger entsetzt über ihre Kirche

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Der Skandal um den Domkapellmeister geht weiter.

München - Protest gegen die Kirche! Chorsänger der Dommusik wehren sich gegen den Rauswurf ihres Domkapellmeisters Karl-Ludwig N. (56). Sie kritisieren den Umgang mit dem Chef-Musiker – in scharfen Worten.

Auf dem Dienst-Laptop des Domkapellmeisters hatte ein Techniker Porno-Bilder gefunden. Der Staat bestraft das nicht, die Kirche schon: Das Domkapitel – die zwölf höchsten Geistlichen – wollte N. feuern. Der bat selbst um Vertragsauflösung. Das Erzbischöfliche Ordinariat veröffentlichte die Entscheidung – bei voller Namensnennung.

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Jetzt regt sich der Widerstand. Geschlossen geht die Junge Domkantorei vor – ein Chor aus 40 Buben und Mädchen im Alter von 14 bis 22 Jahren. „Wir sind entsetzt!“, heißt es in einem Brief, den Edith Glauß (52) verbreitet, die Mutter zweier Sängerinnen (14 und 17). Der Chor könne die Gründe nicht nachvollziehen und sieht den Domkapellmeister an den Pranger gestellt. Er genieße „vollstes Vertrauen“. Karl-Ludwig N. ist weiter nicht zu erreichen.

Die jungen Sänger hatten am Mittwoch eine Probe – eine traurige. Denn gesungen wurde nicht, sie haben nur geredet. Manche wollen sogar nicht mehr für die Kirche auftreten. Einige befürchten die Auflösung des Chors. Die Junge Domkantorei steht mit ihrem Protest nicht allein. „In allen Chören brodelt es“, sagt Mutter Edith Glauß der tz.

Die Mutter eines Mädchens der Mädchenkantorei schreibt der tz: „Eine interne Abmahnung hätte es auch getan.“ Es werde mit zweierlei Maß gemessen, ein Priester wäre geschützt worden. Die Mutter wollte ihren Namen nicht veröffentlicht wissen.

Anonym protestieren auch einige Sänger im Internet. „Den armen Mann wollte man loswerden“, heißt es auf tz-online.de. Ein Vorfall wird genannt: Der frühere Domorganist Franz Lehrndorfer, einer der besten Europas, war 2002 im Streit mit Karl-Ludwig N. gegangen – nach 33 Jahren im Amt. N. soll sich im Ostergottesdienst die Ohren zugehalten haben.

Das Erzbischöfliche Ordinariat will keinen Kommentar abgeben. In der Personalie seien alle Möglichkeiten geprüft worden. Es gebe in den Chören auch Sympathie für die Entscheidung, sagte Sprecher Bernhard Kellner. Domdekan Lorenz Wolf werde sich in der nächsten Probe den Fragen der Sänger stellen.

Der Domkapellmeister wird von seinem Lehrer in Schutz genommen. „Der Umgang mit dem Computer gehört nicht zu den Stärken eines Domkapellmeisters“, sagt der Karlsruher Kirchenmusik-Professor Andreas Schröder (69) der tz. „Sein Weggang ist ein tragischer Verlust nicht nur für München, sondern für die ganze Kirchenmusik.“

David Costanzo

Quelle: tz

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